BrauKunst Live! 2015 – Der Bierzwerg auf Reisen

Am vergangenen Wochenende fand im Museum der Münchner Verkehrsgesellschaft wieder die größte deutsche Messe für und rund um den Biergenuss statt – die Braukunst Live! Der Bierzwerg machte sich gleich zu dritt auf die Reise: Neben Inhaber Stephan war auch der Azubi Jan mit von der Partie. Als dritter im Bunde konnte ich den einen oder anderen neuen Kontakt knüpfen, aber auch viele alte Bekannte wieder treffen. Ganz nebenbei gab es natürlich jede Menge Material für neue Artikel, die nach und nach hier erscheinen werden. Daher hier nur ein grober Überblick und ein paar Highlights.

  • Noch vor der Öffnung der Braukunst Live! am Samstag statteten wir dem „Biervana“ einen Besuch ab, einem kleinen und sehr sympathischen Spezialitätenladen für Biere mitten in München. Allein das war schon eine tolle Erfahrung. 
  • Nachdem die Tore endlich offen waren, durften wir auch endlich das neue Black Nizza von Christian Hans Müllers Hanscraft & Co. probieren und ein wenig über kommende Entwicklungen plaudern. Daniel hatte das Imperial Stout ja bereits probiert und ich kann hier schon einmal kurz bestätigen: Dieses Bier spielt ganz vorne mit! 
  • Thomas „Hopfenstopfer“ Wachno war natürlich auch vor Ort und hatte im besonderen sein neues Imperial Pale Ale im Gepäck. Benannt nach der neuesten Hopfensorte Monroe verspricht auch dieses ein aufregendes, ganz neues Geschmackserlebnisse – und hält es.
  • Das neue Dolden Dark Porter vom Riedenburger Brauhaus kommt tiefgründig aus der Flasche mit dem nun schwarzen Etikett daher und überzeugt mit einem äußerst komplexen Erlebnis, das für eine solche Veranstaltung fast zu schade ist. Wie übrigens viele andere der verkosteten Biere auch: Die Geschmacksnerven sind irgendwann nicht mehr in der Lage, all die Aromen ordnungsgemäß zu verarbeiten. 
  • Anstrengend würde es um 20 Uhr bei der „Masterclass“ des Braumeisters Stefan von Craftwerk, der hochinteressant, trotz viel Theorie, die Zulassungsgeschichte neuer Hopfensorten beleuchtete. Die testweise angefertigerten Biere wurden dann gleich gegeinander verkostet, um Aromenunterschiede festzustellen.   Je nachdem, ob die Hopfengabe vor, während oder nach dem Kochen erfolgt ist. Die Veranstaltung war auch gleich der Treffpunkt mit den netten BloggerkollegInnen Mareike (Feiner Hopfen) und Torsten (Hopfen-Craft), mit denen mich auszutauschen ich leider am Ende zu wenig Zeit hatte. Das wird hoffentlich nochmal intensiver wiederholt!
  • Es gab aber auch einige negative Höhepunkte. Das Hofbräuhaus hatte als Premiumpartner der Veranstaltung einen ganz besonders hübschen Stand hergerichtet. Der dort hektoliterweise herausgefeuerte und nach einem schlechten Marketinggag klingende – Achtung – „fünffach gehopfte Hallodri“ war eben genau das. Ein viel zu kantiges Helles mit einer starken Dominanz der Vorderwürze. Malzbier made by Hofbräuhaus? Warum denn? Eine Enttäuschung, die zum Glück durch den im Eintrittspreis enthaltenen Gutschein am Ende keine Lücke im Chipbeutel verursacht hat.
  • Neben der streckenweise nur noch als pure Absicht zu bewertenden grässlichen Verschmutzung der Sanitäranlagen war auch wieder das eine oder andere Grüppchen zugegen, dem es vor allem darum ging, sich ultimativ wegzuschädeln. Das kostete viele schöne Gläser, einige Nerven und versorgte das anwesende Sicherheitspersonal mit Arbeit. Zum Glück blieben solche Zwischenfälle die Ausnahme.
  • Nachdem wir am Samstag eine ganze Menge geschafft hatten, war es eine Mammutaufgabe, in München-Giesing um 22 Uhr noch etwas zu essen aufzutreiben. Bei einer so großen Stadt eigentlich verrückt, denn nur durch Glück fanden wir einen Dönerladen, der extra für uns wieder auspackte und noch etwas leckeres zubereitete. Danach blieb noch etwas Zeit, die berüchtigte After-Show in der Lobby des Bold-Hotels zu beobachten. Nur zwei Minuten vom MVG-Museum entfernt, wird dieses Hotel von den meisten Brauern als Basislager gewählt und die gegenseitige Verkostung der eigenen Biere wird dort ein Stück weit geduldet. Irgendwann allerdings rief dann doch das Bett, schließlich waren wir wegen des frühen Flugs seit 4 Uhr auf den Beinen gewesen.
  • Am Sonntag beschlossen wir nach dem langen Vortag, ein Alternativprogramm zu bestreiten. Bei großartigem Wetter setzten wir uns in die S-Bahn Richtung Herrsching am Ammersee, wo wir den Fußwanderweg zum Kloster Andechs in Angriff nahmen. Im dortigen Biergarten angekommen, gab es nur eine folgerichtige Konsequenz: Eine ordentliche Maß Andechser Spezial.  Nach einer ordentlichen Mahlzeit und dem spektakulären Ausblick auf das Alpenvorland war dann nicht mehr genug Zeit, noch mal zur Messe zu fahren, allerdings noch etwas Spielraum, bevor der Flieger zurück ging.  So vertrieben wir uns die Wartezeit am Münchner Flughafen noch mit dem erstaunlich entgegenkommenden Hellen im „Airbräu„, dem stimmig in Fliegeroptik inszenierten Brauhaus direkt am ohnehin schon imposanten Terminal.

Einige der Erlebnisse sind es sicher wert, noch einmal ausführlicher besprochen zu werden. Für heute allerdings soll diese Übersicht zunächst ausreichen. Kommentare und Anmerkungen sind wie immer sehr willkommen!

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Craft Beer Store Hamburg eröffnet Online-Shop

Der Craft Beer Store Hamburg hat gestern Morgen nach der Eröffnung des Ladenlokals im Mai (wir berichteten) seinen Online-Shop eröffnet. Zu Beginn ist das Angebot dort schon recht umfangreich, wird aber nach und nach ergänzt und immer wieder um neue Artikel erweitert.

Besonders empfehlens- und erwähnenswert sind die 5L-Kegs vom Hopfenstopfer Thomas Wachno (Citra Ale, Incredible Pale Ale und das hervorragende Comet IPA). Neben Bier wird auch Merchandising vom Craft Beer Store und der angeschlossenen Ratsherrn Brauerei angeboten (Gläser, T-Shirts).
Unsere erste Bestellung ist bereits auf dem Weg!

Craftwerk Brewing Verkostung

Kaum ist Bitburger mit Craftwerk Brewing (wir berichteten) dabei, in den heiß umkämpften Markt einzusteigen, erreichte uns auch schon das großzügig bemessene Verkostungspaket mit je 2 Flaschen der 3 Sorten und 2 Verkostungsgläser. Auf geht’s, Flaschen gut gekühlt und ran an die Verkostung:

Tangerine Dream

Tangerine Dream, Single Hop Pale Ale von Craftwerk Brewing

Tangerine Dream, Single Hop Pale Ale von Craftwerk Brewing

Zum Start schenkten wir das Single Hop Pale Ale ein. Im Glas schimmert das mit 5,8%-Vol. Alkoholgehalt angenehm „leichte“ Bier honigfarben mit einem Stich Orange und mit einem leichten, feinporigen Schaum. In der Nase kann man dezent Orangen und Grapefruit erkennen (was man bei dem Mandarina Hopfen erwarten durfte). Der erste Schluck sorgte dann doch für Erstaunen: eine wirklich ziemlich intensive Hopfenbittere dominiert vor den auch hier leicht vorhandenen Zitrusnoten. Die angepriesene Explosion auf der Zunge blieb uns allerdings geschmacklich verwehrt. Uns fehlte außerdem eine gute Portion mehr Kohlensäure, die Rezenz war etwas schwach.
Unterm Strich aber ein gutes Bier.

Hop Head IPA⁷

Hop Head IPA⁷ von Craftwerk Brewing

Hop Head IPA⁷ von Craftwerk Brewing

Der Abend schritt fort und Max war langsam auf IPA Entzug, daher stand als nächstes das American IPA auf dem Plan. Ganze sieben Hopfensorten (Herkules, Magnum, Taurus, Cascade, Centennial, Chinook und Simcoe) bringt das goldgelbe Bier ins Glas. Gekrönt wird es von einem feinen, leicht cremefarbenen Schaum. Es ist immer wieder schön, den typischen IPA Geruch zum ersten Mal an einem Abend aufzusaugen und auch das Hop Head macht hier seinem Namen alle Ehre, verwöhnt es den Verkoster doch mit einem breiten Spektrum an hopfenintensiven Noten in der Nase. Fruchtig, frisch und einfach lecker – da muss man probieren: angenehm bitter und sortentypisch hopfig. Leider wurde der positive Geruchs- und Geschmackseindruck bei einer unserer beiden Flaschen durch die fast nicht vorhandene Rezenz getrübt; hier war wohl etwas bei der Abfülung schiefgelaufen. Da muss deutlich mehr Kohlensäure her. Dennoch: ein feines IPA, das ohne weiteres mit den anderen deutschen Ezeugnissen wie Propeller oder Hopfenstopfer mithalten kann!

Holy Cowl

Holy Cowl Belgian Style Tripel von Craftwerk Brewing

Holy Cowl Belgian Style Tripel von Craftwerk Brewing

Das Stärkste kommt zum Schluss; zumindest, wenn man nach dem Alkoholgehalt geht, denn das nach belgischer Art gebraute Tripel hat gute 9%-Vol. Was dem Max sein IPA ist dem Daniel das Tripel und mit Freude sah man das bernsteingoldene Bier mit einem samtigen Schaum ins Glas fließen. In der Nase mit typischen spritzigen Aromen mit den süßen Noten von Honig.. Im Antrunk angenehm erfrischend mit einer leicht alkoholischen Komponente, dabei schöne Rezenz, die die schwere des Alkoholgehaltes gekonnt ausbalanciert. Im Nachtrunk angenehme Restsüße. Auch hier: ein schönes Bier.

Das Glas

Das Tasting-Glas von Craftwerk

Das Tasting-Glas von Craftwerk

An dieser Stelle möchte ich auch noch ein paar Worte über das Craftwerk Tasting-Glas verlieren: uns gefällt das Glas wirklich gut. Im Gegensatz zu den bekannten Teku-Gläsern ist das Craftwerk-Glas weniger geometrisch und eher wie ein Weinglas geformt. Es ist ein wenig robuster und hat einen dickeren Stiel. Das macht einen etwas bodenständigeren Eindruck und passt gut ins restliche Craftwerk-Design. Praktikabel ist es aber trotzdem, denn es unterstützt wie gewünscht gut die Geschmacks- und Geruchsnoten.

Fazit
Hut ab! Die Bitburger Gruppe kann also doch Bier machen! Wir haben es hier zwar nicht mit Preisträgern zu tun, aber für den Einstieg in das Marktsegment sind alle 3 Biere bestens geeignet. Interessant ist, dass Bitburger offenbar bisher nicht plant, die Biere im Supermarkt neben den normalen Sorten anzubieten, sondern ausschließlich auf den Internetshop von Craftwerk setzt. Damit würde man allerdings unserer Meinung nach zu Anfang bereits den Vorteil verspielen: wenn man bei den 3 Craft Beers im Kopf behält, dass sie bald im Supermarkt neben den üblichen Einheits-Fernsehbieren zu finden sein könnten, ergäbe dies einen ganz anderen Wettbewerbsvorteil. Im Vergleich zu anderen, online verfügbaren Bieren (besonders auch internationaler Konkurrenz) stechen die Sude von Craftwerk nämlich nur noch bedingt hervor. Hier ist der Markt einfach schon zu gesättigt, besonders wenn man bedenkt, dass man für Preise zwischen 2,10 € und 2,40 € teilweise wesentlich interessantere Produkte bestellen kann.

Nichtsdestotrotz kann man Stefan Hanke und seinem Team zu einem gelungenen Start gratulieren. Hoffen wir, dass die Konzernchefs ihm den nötigen Spielraum und die nötige Zeit geben, um Fuß zu fassen und uns mit weiteren Kreationen zu versorgen.