Finest Spirits & Beer 2015 – Der Rückblick

3 Tage bestes Bier und hochwertige Spirituosen liegen hinter uns und einem probierfreudigen Publikum. Zeit, für einen kleinen Rückblick und einen Blick in die Zukunft der FSB in (hoffentlich weiterhin) Bochum!

Grauer Himmel, herbstliche Temperaturen und KEIN Bahnstreik (dafür ein abgebranntes Duisburger Stellwerk) – was für den Besucher eher abschreckend klingt sind laut Veranstalter Frank Böer fast ideale Umstände für eine Bier und Spirituosenmesse. Im letzten Jahr machten sommerliche Temperaturen und strahlender Sonnenschein zusammen mit dem mobilitätshemmenden Bahnstreik den Ausstellern und Böer nämlich das Leben ein wenig schwer, schienen sich doch viele Menschen eher überlegt zu haben, das gute Wetter für Outdoor-Aktivitäten zu nutzen. Wie Böer bei der Begrüßung der Presse am Freitag erklärte, konnte er trotzdem mit den Besucherzahlen im letzten Jahr angesichts der beschriebenen Umstände zufrieden sein.
Nach einigen einleitenden Worten und einer expliziten Bekenntnis zur Location Jahrhundert Halle Bochum als herrausragendes Beispiel pöttlicher Industriekultur übergab er das Wort an Jürgen Witt, seines Zeichens Geschäftsführer des Verbandes Nordrhein-Westfälischer Brauereien. Auch Witt freute sich über die Neuauflage der Messe und die neue, deutsche Biervielfalt, wenngleich er sich auch entschieden hinter das Reinheitsgebot stellte. „Die deutsche Bierlandschaft verfügt über eine enorme Vielfalt an Bieren und die immer neuen Kombinationen der 4 Zutaten des Reinheitsgebotes lassen weiterhin ungeahnt viele Möglichkeiten der Braukunst zu.“. Da die Presserunde nicht nur aus lokalen Zeitungen sondern eben auch aus fachkompetenten Bierbloggern bestand, stieß diese Verteidigung auf wenig Gehör und wirkte etwas deplatziert (so konnte man natürlich auf der Messe selbst diverse Biere jenseits des Reinheitsgebotes probieren).

Frank Böer und Jürgen Witt begrüßen die Presse

Frank Böer und Jürgen Witt begrüßen die Presse

Anschließend an diese kleine Einleitung hatten wir dann Gelegenheit, uns als erste Besucher bei einem Rundgang durch die Halle an ausgewählten (zumeist Premium-Partner der FSB wie Pilsner Urquell, Campari/Appleton, Craftwerk Brewing) Ständen von der Qualität der mitgebrachten Produkten anhand kleiner (oder teilweiser größerer) Geschmacksproben überzeugen. Zu den einzelnen Proben gab es jeweils eine kleine Information der verantwortlichen Brauer / Brenner zu ihrer Arbeit und den Produkten. Da jedoch noch ein ganzer Messetag vor uns lag, begnügten wir uns bei den Proben mit einigen wenigen Schlucken.

 

Das erste Highlight des Tages kam dann auch direkt bei diesem Rundgang am Stand von Lokalpatriot Moritz Fiege: der demnächst auch im Handel erhältliche Pilsbock war trotz seiner 7,8 Vol.-% überraschend spritzig und sehr trinkbar. Angenehmerweise wird die Bierspezialität nicht wie zu erwarten wäre im Premium 0,75l-Gebinde angeboten sondern in der 0,33l Flasche zu einem Preis von unter 3,- €. Zuschlagen lohnt sich!

Unsere besonderen Highlights fanden sich dieses Jahr z.B. am gemeinsamen Stand von Sebastian Sauers Freigeist Bierkultur und dem Dortmunder Getränkefachhandel Rudat. Ersterer ist bekannt für seine ausgefallenen Biere und das Bemühen, längst ausgestorbene Biersorten wieder zum Leben zu erwecken während Letzterer sich zu einer der Anlaufstellen für Craft-Bier-Interessierte im Revier gemausert hat. So überzeugte uns zum Beispiel das Othello Porter von Freigeist mit komplexen Kaffee-, Schoko- und Röstaromen welche nur vom Barrel Reserve Dark Side Of The Moonby von Kissmeyer Beer & Brewing übertroffen wurde.

Sebastian Sauer und Christian Rudat

Sebastian Sauer und Christian Rudat

Bei den Kollegen von One Pint gab’s dann feines aus Dänemark, den USA und England zu probieren. Interessant hier das Sierra Nevada Hop Hunter IPA das mit destilliertem Hopfenöl gebraut wird und dadurch eine intensive Bittere und Geschmackskomplexität erhält.

Hopfen ist ein gutes Stichwort, denn am Stand von der Baath-Haas Group hatte neben den Schweizern von Doppelleu und dem österreichischen Brew Age auch das Berliner Urgestein Thorsten Schoppe sein Bierlager aufgeschlagen und präsentierte neben den bekannten SchoppeBräu und Flying Turtle Bieren auch sein Helles das wir bisher noch nicht kannten, das aber wie zu erwarten war sogleich überzeugen konnte.

Von organisatorischer Seite her kann man Frank Böer nur erneut beglückwünschen. Die Glasorganisation funktionierte tadellos und die Toilettenanlagen der Jahrhundert Halle sind großzügig ausgelegt so dass es (zu mindest bei den Herren) keine Staus gab. Auch von Seiten der Verpflegung hat man dieses Jahr dazugelernt: nicht nur das eigene Catering der Jahrhundert Halle (Currywurst für 4,- € sind dann doch etwas happig) waren vorhanden. In der Halle gab es zünftige Tiroler Spezialitäten die doch eine gute Grundlage bilden konnten. Als Snack zwischendurch war auch das original amerikanische Jerky eine nette Alternative. Dennoch wäre die Idee, vor der Halle den ein oder anderen Food Truck vorfahren zu lassen sicher eine weitere Überlegung wert (wie wäre es mit Beer meets Street Food?).

Insgesamt waren es tolle 3 Tage in Bochum mit grandiosen Bieren, tollen Leuten und einer einzigartigen Atmosphäre. Da davon auszugehen ist, dass der Craft-Bier-Boom in Deutschland weiter Fahrt aufnimmt dürfen wir ebenfalls hoffen, dass es auch im nächsten Jahr wieder eine FSB in Bochum geben wird. Wir sind dabei!

 

BrauKunst Live! 2015 – Der Bierzwerg auf Reisen

Am vergangenen Wochenende fand im Museum der Münchner Verkehrsgesellschaft wieder die größte deutsche Messe für und rund um den Biergenuss statt – die Braukunst Live! Der Bierzwerg machte sich gleich zu dritt auf die Reise: Neben Inhaber Stephan war auch der Azubi Jan mit von der Partie. Als dritter im Bunde konnte ich den einen oder anderen neuen Kontakt knüpfen, aber auch viele alte Bekannte wieder treffen. Ganz nebenbei gab es natürlich jede Menge Material für neue Artikel, die nach und nach hier erscheinen werden. Daher hier nur ein grober Überblick und ein paar Highlights.

  • Noch vor der Öffnung der Braukunst Live! am Samstag statteten wir dem „Biervana“ einen Besuch ab, einem kleinen und sehr sympathischen Spezialitätenladen für Biere mitten in München. Allein das war schon eine tolle Erfahrung. 
  • Nachdem die Tore endlich offen waren, durften wir auch endlich das neue Black Nizza von Christian Hans Müllers Hanscraft & Co. probieren und ein wenig über kommende Entwicklungen plaudern. Daniel hatte das Imperial Stout ja bereits probiert und ich kann hier schon einmal kurz bestätigen: Dieses Bier spielt ganz vorne mit! 
  • Thomas „Hopfenstopfer“ Wachno war natürlich auch vor Ort und hatte im besonderen sein neues Imperial Pale Ale im Gepäck. Benannt nach der neuesten Hopfensorte Monroe verspricht auch dieses ein aufregendes, ganz neues Geschmackserlebnisse – und hält es.
  • Das neue Dolden Dark Porter vom Riedenburger Brauhaus kommt tiefgründig aus der Flasche mit dem nun schwarzen Etikett daher und überzeugt mit einem äußerst komplexen Erlebnis, das für eine solche Veranstaltung fast zu schade ist. Wie übrigens viele andere der verkosteten Biere auch: Die Geschmacksnerven sind irgendwann nicht mehr in der Lage, all die Aromen ordnungsgemäß zu verarbeiten. 
  • Anstrengend würde es um 20 Uhr bei der „Masterclass“ des Braumeisters Stefan von Craftwerk, der hochinteressant, trotz viel Theorie, die Zulassungsgeschichte neuer Hopfensorten beleuchtete. Die testweise angefertigerten Biere wurden dann gleich gegeinander verkostet, um Aromenunterschiede festzustellen.   Je nachdem, ob die Hopfengabe vor, während oder nach dem Kochen erfolgt ist. Die Veranstaltung war auch gleich der Treffpunkt mit den netten BloggerkollegInnen Mareike (Feiner Hopfen) und Torsten (Hopfen-Craft), mit denen mich auszutauschen ich leider am Ende zu wenig Zeit hatte. Das wird hoffentlich nochmal intensiver wiederholt!
  • Es gab aber auch einige negative Höhepunkte. Das Hofbräuhaus hatte als Premiumpartner der Veranstaltung einen ganz besonders hübschen Stand hergerichtet. Der dort hektoliterweise herausgefeuerte und nach einem schlechten Marketinggag klingende – Achtung – „fünffach gehopfte Hallodri“ war eben genau das. Ein viel zu kantiges Helles mit einer starken Dominanz der Vorderwürze. Malzbier made by Hofbräuhaus? Warum denn? Eine Enttäuschung, die zum Glück durch den im Eintrittspreis enthaltenen Gutschein am Ende keine Lücke im Chipbeutel verursacht hat.
  • Neben der streckenweise nur noch als pure Absicht zu bewertenden grässlichen Verschmutzung der Sanitäranlagen war auch wieder das eine oder andere Grüppchen zugegen, dem es vor allem darum ging, sich ultimativ wegzuschädeln. Das kostete viele schöne Gläser, einige Nerven und versorgte das anwesende Sicherheitspersonal mit Arbeit. Zum Glück blieben solche Zwischenfälle die Ausnahme.
  • Nachdem wir am Samstag eine ganze Menge geschafft hatten, war es eine Mammutaufgabe, in München-Giesing um 22 Uhr noch etwas zu essen aufzutreiben. Bei einer so großen Stadt eigentlich verrückt, denn nur durch Glück fanden wir einen Dönerladen, der extra für uns wieder auspackte und noch etwas leckeres zubereitete. Danach blieb noch etwas Zeit, die berüchtigte After-Show in der Lobby des Bold-Hotels zu beobachten. Nur zwei Minuten vom MVG-Museum entfernt, wird dieses Hotel von den meisten Brauern als Basislager gewählt und die gegenseitige Verkostung der eigenen Biere wird dort ein Stück weit geduldet. Irgendwann allerdings rief dann doch das Bett, schließlich waren wir wegen des frühen Flugs seit 4 Uhr auf den Beinen gewesen.
  • Am Sonntag beschlossen wir nach dem langen Vortag, ein Alternativprogramm zu bestreiten. Bei großartigem Wetter setzten wir uns in die S-Bahn Richtung Herrsching am Ammersee, wo wir den Fußwanderweg zum Kloster Andechs in Angriff nahmen. Im dortigen Biergarten angekommen, gab es nur eine folgerichtige Konsequenz: Eine ordentliche Maß Andechser Spezial.  Nach einer ordentlichen Mahlzeit und dem spektakulären Ausblick auf das Alpenvorland war dann nicht mehr genug Zeit, noch mal zur Messe zu fahren, allerdings noch etwas Spielraum, bevor der Flieger zurück ging.  So vertrieben wir uns die Wartezeit am Münchner Flughafen noch mit dem erstaunlich entgegenkommenden Hellen im „Airbräu„, dem stimmig in Fliegeroptik inszenierten Brauhaus direkt am ohnehin schon imposanten Terminal.

Einige der Erlebnisse sind es sicher wert, noch einmal ausführlicher besprochen zu werden. Für heute allerdings soll diese Übersicht zunächst ausreichen. Kommentare und Anmerkungen sind wie immer sehr willkommen!

Malty Christmas and a Hoppy New Year! Unser Jahresrückblick

Ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende – sowohl im persönlichen Umfeld als auch in der nationalen und internationalen Bierlandschaft hat sich einiges getan. Hier ein kurzer Rückblick unserer Themen des Jahres:

Braukunst Live 2014
Das erste Highlight des Jahres war für uns eine Premiere. Zum ersten Mal fuhren wir den weiten Weg nach München. Auch wenn einiges vor Ort nicht ganz optimal organisiert war, hat sich der Weg doch gelohnt. Nebenbei haben wir auch direkt das Taphouse Munich abgecheckt.

Ratsherrn stellt neue Micro Brewery vor
Kaum aus München zurück ging’s schon wieder auf nach Hamburg zu den Jungs und Mädels von Ratsherrn. Die schöne Vorstellung der Micro Brewery unter Leitung von Ian Pyle hat uns gut gefallen und auch der Sud in Zusammenarbeit mit Maisel’s war super!

BrewDog Bar London Shoreditch
Die Reiselust nimmt kein Ende: Max machte bei seinem London-Trip natürlich einen Abstecher zur BrewDog Bar.

Skipping Stone Summer Ale von Craftwerk
Pünktlich zum Start des Sommers durften wir uns über Leckeres von den Bitburger Craftwerkern freuen.

Backbonesplitter West Coast IPA von Hanscraft & Co.
Nach dem erfolgreichen Rechtsstreit um sein Bayerisch Nizza haut Hans Christian Müller die Bombe raus: Sein West Coast IPA wird auf Ratebeer.com nicht ohne Grund mit 96(!) Punkten geführt.

Finest Spirits & Beer in Bochum
Nach der BKL das zweite absolute Highlight dieses Jahres: Frank Böer exportiert die BKL und die Finest Spirits ins Ruhrgebiet. Leider aufgrund geringer Besucherzahlen zum Start nicht ganz so erfolgreich wie erhofft. Aber der Termin für’s nächste Jahr ist bereits gebucht!

Trinkhalle Ruhrgebeat
Endlich hat Bochum seine eigene Craft-Bier-Bar! Tom Gawlig kommt mit seinem minimalistisch eingerichteten Laden gut an und etabliert sich in kürzester Zeit als DIE Adresse für Bierliebhaber in Bochum. Hier gibt er außerdem ein wenig mehr Hintergrundinformationen im Interview preis.

Holy Cowl Barrel Aged Limited Edition von Craftwerk
Auch zum Jahresende hat Craftwerk was feines gezaubert!

Darüberhinaus ist natürlich noch viel, viel mehr in der Szene passiert und unser kleiner Überblick bezieht sich nur auf unser Blog und unsere Erfahrungen. Wir freuen uns sehr, dass unsere Leser dieses Jahr so neugierig auf unsere Beiträge waren und hoffen auch für das nächste Jahr wieder auf reges Interesse.
Uns bleibt an dieser Stelle Euch allen da draußen noch ein Malty Christmas and a Hoppy New Year zu wünschen!

Daniel und Max

Verkostungsnotiz – Craftwerk Barrel Aged Limited Edition

Das Craftwerk-Sortiment bleibt zwar bisher bei (nur) drei ständig verfügbaren Bieren, lockert die Produktpalette aber immer wieder durch Special Editions auf (z.b. ein Wet Hop Tangerine Dream auf der Finest Spirits & Beer 2014). Wir freuten uns nun sehr über die unverhoffte Post aus Bitburg und waren gespannt, wie sich das fassgelagerte Tripel macht.

12 Monate Zeit hat sich die Special Edition des Holy Cowl Tripels Zeit gelassen. Solange verbrachte es nämlich in französischen Barrique-Eichenfässern, welche als Vorbelegung französische Rotweine und im Anschluss rote Moselweine beherbergten, bevor sich das 9%-Vol. starke Tripel in ihnen zur Ruhe legte. Um dieser aufwendigen Herstellung auch nach außen hin Rechnung zu tragen, kommt das Bier stilecht in einer 0,375l Champagnerflasche (allerdings mit Kronkorken anstelle eines „echten“ Korkens). Die auf 4.500 Flaschen limitierte Edition wurde in mühsamer Handarbeit etikettiert, wie man sich auf der Craftwerk-Facebookseite überzeugen kann.

Die Fasslagerung sieht man dem Bier auch beim Einschenken direkt an: wo die „Standardedition“ vom Holy Cowl bernsteingelb ins Glas kommt, ist die Barrel Aged Variante eher kastanienbraun mit einem cremefarbenen Schaum. Im Vergleich mit dem Ausgangsbier merkt man bereits in der Nase den ersten Unterschied. Das dunkle Tripel verströmt klar holzige Noten und Anklänge roter Früchte (Sauerkirsch) gepaart mit leichter Malzsüße. Die Geruchseindrücke setzen sich am Gaumen fort und hier gesellt sich (wenig verwunderlich) auch der Rotwein zu den Geschmackseindrücken hinzu.

Insgesamt eine schöne Weiterentwicklung eines guten Bieres. Dann warten wir jetzt nur noch auf eine Special Edition vom Hop Head IPA⁷.

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Bierverkostung – Craftwerk Skipping Stone Summer Ale

Als hätten die Jungs und Mädels von Craftwerk es geahnt: rechtzeitig zu den hochsommerlichen Temperaturen erreichte uns ein Probierpaket mit dem neuen Skipping Stone Summer Ale. Kann das leicht Sommerbier den guten Start der Marke weitertragen?

Ein gutes Jahr hatte Bitburger nun Zeit, sich auf dem auch in Deutschland immer größer werdenden Craft-Beer Markt zu behaupten. Nach der anfänglichen Skepsis über den gewagten Schritt kann man jedoch mittlerweile mit gutem Gewissen sagen: ja, das ist gutes Craft-Beer geworden! Im vergangenen Jahr überzeugte uns das Start-Lineup mit 3 recht unterschiedlichen Bieren (zum Verkostungsbericht geht’s hier) vom Potential der Marke. Heute kam das Skipping Stone Summer Ale ins Glas.

Goldgelb mit einer feinporigen, stabilen Schaumkrone macht das Ale im Glas eine gute Figur. In der Nase erwarten uns erwartungsgemäß die typischen Aromen von Mango, Südfrüchten und Zitrusfrüchten. Das erfrischt schon herrlich bei knappen 30° C Außentemperatur.

Bei der empfohlenen Trinktemperatur von 10-13° C entfaltet sich im Mund ein ähnlicher, tropischer Fruchtkorb mit sehr angenehmer Hopfenbittere (verwendet wurden hier die Sorten Hersbrucker Spät, Hallertauer Mittelfrüh, Nordbrauer und Brewers Gold, IBU 40) die nachhaltig erfrischt. Dass die empfohlenen Trinktemperaturen nicht nur eine nette Info am Rande sind zeigte sich bei unserer zweiten Testflasche, die wir etwas zu stark gekühlt verkosteten (geschätzt bei 5-8° C), wodurch ein Großteil der Geschmacksnuancen verloren ging.

Nicht nur geschmacklich eignet sich die Craftwerk-Kreation bestens für heiße Sommertage: mit einem Alkoholgehalt von schlanken 4,8 %-Vol. kann man davon auch mal mehr als eine Flasche trinken.

Der einzige Wermutstropfen ist leider immer noch, dass sich die Craftwerk-Bräus in keinem Supermarkt oder Getränkehandel neben den üblichen Fernsehbieren finden, sondern immer noch ausschließlich über den Onlineshop bezogen werden können.

Mit den 4 Produkten hätte sich Craftwerk nämlich auf jeden Fall eine sehr solide Basis geschaffen und müsste die Konkurrenz im Laden nicht fürchten! Wir freuen uns schon auf die (hoffentlich geplanten) Winterbiere!

 

Craftwerk Brewing Verkostung

Kaum ist Bitburger mit Craftwerk Brewing (wir berichteten) dabei, in den heiß umkämpften Markt einzusteigen, erreichte uns auch schon das großzügig bemessene Verkostungspaket mit je 2 Flaschen der 3 Sorten und 2 Verkostungsgläser. Auf geht’s, Flaschen gut gekühlt und ran an die Verkostung:

Tangerine Dream

Tangerine Dream, Single Hop Pale Ale von Craftwerk Brewing

Tangerine Dream, Single Hop Pale Ale von Craftwerk Brewing

Zum Start schenkten wir das Single Hop Pale Ale ein. Im Glas schimmert das mit 5,8%-Vol. Alkoholgehalt angenehm „leichte“ Bier honigfarben mit einem Stich Orange und mit einem leichten, feinporigen Schaum. In der Nase kann man dezent Orangen und Grapefruit erkennen (was man bei dem Mandarina Hopfen erwarten durfte). Der erste Schluck sorgte dann doch für Erstaunen: eine wirklich ziemlich intensive Hopfenbittere dominiert vor den auch hier leicht vorhandenen Zitrusnoten. Die angepriesene Explosion auf der Zunge blieb uns allerdings geschmacklich verwehrt. Uns fehlte außerdem eine gute Portion mehr Kohlensäure, die Rezenz war etwas schwach.
Unterm Strich aber ein gutes Bier.

Hop Head IPA⁷

Hop Head IPA⁷ von Craftwerk Brewing

Hop Head IPA⁷ von Craftwerk Brewing

Der Abend schritt fort und Max war langsam auf IPA Entzug, daher stand als nächstes das American IPA auf dem Plan. Ganze sieben Hopfensorten (Herkules, Magnum, Taurus, Cascade, Centennial, Chinook und Simcoe) bringt das goldgelbe Bier ins Glas. Gekrönt wird es von einem feinen, leicht cremefarbenen Schaum. Es ist immer wieder schön, den typischen IPA Geruch zum ersten Mal an einem Abend aufzusaugen und auch das Hop Head macht hier seinem Namen alle Ehre, verwöhnt es den Verkoster doch mit einem breiten Spektrum an hopfenintensiven Noten in der Nase. Fruchtig, frisch und einfach lecker – da muss man probieren: angenehm bitter und sortentypisch hopfig. Leider wurde der positive Geruchs- und Geschmackseindruck bei einer unserer beiden Flaschen durch die fast nicht vorhandene Rezenz getrübt; hier war wohl etwas bei der Abfülung schiefgelaufen. Da muss deutlich mehr Kohlensäure her. Dennoch: ein feines IPA, das ohne weiteres mit den anderen deutschen Ezeugnissen wie Propeller oder Hopfenstopfer mithalten kann!

Holy Cowl

Holy Cowl Belgian Style Tripel von Craftwerk Brewing

Holy Cowl Belgian Style Tripel von Craftwerk Brewing

Das Stärkste kommt zum Schluss; zumindest, wenn man nach dem Alkoholgehalt geht, denn das nach belgischer Art gebraute Tripel hat gute 9%-Vol. Was dem Max sein IPA ist dem Daniel das Tripel und mit Freude sah man das bernsteingoldene Bier mit einem samtigen Schaum ins Glas fließen. In der Nase mit typischen spritzigen Aromen mit den süßen Noten von Honig.. Im Antrunk angenehm erfrischend mit einer leicht alkoholischen Komponente, dabei schöne Rezenz, die die schwere des Alkoholgehaltes gekonnt ausbalanciert. Im Nachtrunk angenehme Restsüße. Auch hier: ein schönes Bier.

Das Glas

Das Tasting-Glas von Craftwerk

Das Tasting-Glas von Craftwerk

An dieser Stelle möchte ich auch noch ein paar Worte über das Craftwerk Tasting-Glas verlieren: uns gefällt das Glas wirklich gut. Im Gegensatz zu den bekannten Teku-Gläsern ist das Craftwerk-Glas weniger geometrisch und eher wie ein Weinglas geformt. Es ist ein wenig robuster und hat einen dickeren Stiel. Das macht einen etwas bodenständigeren Eindruck und passt gut ins restliche Craftwerk-Design. Praktikabel ist es aber trotzdem, denn es unterstützt wie gewünscht gut die Geschmacks- und Geruchsnoten.

Fazit
Hut ab! Die Bitburger Gruppe kann also doch Bier machen! Wir haben es hier zwar nicht mit Preisträgern zu tun, aber für den Einstieg in das Marktsegment sind alle 3 Biere bestens geeignet. Interessant ist, dass Bitburger offenbar bisher nicht plant, die Biere im Supermarkt neben den normalen Sorten anzubieten, sondern ausschließlich auf den Internetshop von Craftwerk setzt. Damit würde man allerdings unserer Meinung nach zu Anfang bereits den Vorteil verspielen: wenn man bei den 3 Craft Beers im Kopf behält, dass sie bald im Supermarkt neben den üblichen Einheits-Fernsehbieren zu finden sein könnten, ergäbe dies einen ganz anderen Wettbewerbsvorteil. Im Vergleich zu anderen, online verfügbaren Bieren (besonders auch internationaler Konkurrenz) stechen die Sude von Craftwerk nämlich nur noch bedingt hervor. Hier ist der Markt einfach schon zu gesättigt, besonders wenn man bedenkt, dass man für Preise zwischen 2,10 € und 2,40 € teilweise wesentlich interessantere Produkte bestellen kann.

Nichtsdestotrotz kann man Stefan Hanke und seinem Team zu einem gelungenen Start gratulieren. Hoffen wir, dass die Konzernchefs ihm den nötigen Spielraum und die nötige Zeit geben, um Fuß zu fassen und uns mit weiteren Kreationen zu versorgen.