Der Bierzwerg: Eine unerwartete Reise

In eigener Sache: Dass mir ein solcher Titel für ein Blogpost einfällt, spricht Bände.
Im November endete meine Anstellung an der Ruhr-Universität. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Sektion Politik Ostasiens habe ich viel erlebt. Ich konnte über Jahre hinweg mit vielen Menschen im akademischen Bereich arbeiten, an der Weiterentwicklung eines tollen Studiengangs mitwirken und hatte wirklich großartige Kollegen. Doch das war auf einmal vorbei.

Wohin sollte es jetzt gehen? Die Frage habe ich mir ausführlich und oft gestellt. Ich hatte ja jetzt Zeit. Versuche ich weiter, im Hochschulbereich zu bleiben? Schaue ich über den Tellerrand? Oder mache ich mal was ganz verrücktes?

„Was ganz verrücktes it is!“ schallte es leise aus meinem Hinterkopf, als ich sah, dass der Bierzwerg Personal sucht. Für den neuen, größeren Bierspezialitätenmarkt.

Manchmal muss man verrückt sein. Viele Freunde haben mir bei der Suche nach einer neuen Beschäftigung geholfen und hatten Tipps und Stellen parat, für die ich sehr dankbar war und bin, aber das hier musste ich einfach versuchen. Das Hobby. Das Bier. Der berühmte Bierzwerg. Jetzt war die Chance.

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Und es hat funktioniert. Aus der akademischen Umwelt, die ich so schätzen gelernt habe, bin ich nun ganz woanders gelandet. Ich mache mein Hobby zum Beruf. Ich darf in Zukunft Menschen zeigen, dass sie sich selbstredend einen Kasten Fernsehbier kaufen können, aber dass dahinter eine riesige Welt verschiedener Geschmackserlebnisse auf sie wartet, die sie nur entdecken müssen. Ich kann einen Beitrag leisten in einem Bereich, der mich seit Jahren interessiert und der zudem im Wachstum begriffen ist. Seit Anfang Januar bin ich im Auftrag unserer großen Mission unterwegs: Den Menschen zeigen, dass Bier auch Geschmack haben kann, dass Vielfalt erhalten werden muss. Und das macht mich jetzt schon stolz.

Eine aufregende Reise beginnt für mich. Und hier werde ich darüber berichten. In unregelmäßigen Abständen folgen nun nach meinem ersten Monat beim Bierzwerg in Greven an dieser Stelle einige Berichte über meine Erlebnisse.

2. Winter Beer Day in Hamburg erneut erfolgreich

Der 2. Winter Beer Day im Altes Mädchen in den Hamburger Schanzenhöfen war erneut ein voller Erfolg. Mehr als 2000 Besucher kamen, um sich die über 40 Winterbierkreationen der 12 ausstellenden Brauereien schmecken zu lassen.

„Auch heute hat man wieder gesehen, dass die Leute außergewöhnliche Bierkreationen annehmen und nach Möglichkeiten suchen, die Craft Beer Faszination noch intensiver kennen zu lernen“, sagte Patrick Rüther, Geschäftsführer des Alten Mädchen und fügte an: „Dass der Winter Beer Day für so viel Begeisterung sorgt, macht uns natürlich stolz und bestätigt uns die Craft Beer Bewegung in Norddeutschland über neue Veranstaltungen auszubauen.“

Das Team des Alten Mädchen wird in 2015 den Bock Beer Day am 25. April, die Craft Beer Days am 29. & 30. August und den Winter Beer Day am 21. November veranstalten.

Nette Aussichten!

Braukunst Live 2014 – Unser Überblick

Am vergangenen Wochenende, vom 21.02.-23.02.2014, fand bereits zum dritten Mal das Festival der feinen Biere – besser bekannt als Braukunst Live – statt. Wir waren zum ersten Mal dabei und kommen mit gemischten Gefühlen zurück von einem der größten Bierfeste Europas.

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Festival der Bierkulturen 2013

Am vergangenen Wochenende stand eine vielversprechende Veranstaltung auf dem Programm: Im Bürgerzentrum Köln-Ehrenfeld präsentierten viele aufstrebende kleine Brauereien sich und ihre sehr vorzüglichen Biere. Ich war vor Ort, habe verkostet, Gespräche geführt und natürlich auch eine ganze Menge an „Goldstücken“ zur späteren Probe mit nach Hause genommen.

Für das insgesamt vierte Festival der Bierkulturen hat der Veranstalter, Diplom-Braumeister Peter Esser, Brauereien aus Deutschland, Tschechien, Belgien, den Niederlanden, England, Schottland und der Schweiz anwerben können. Die Geschmacksrichtungen reichten vom süßen Barley Wine bis hin zum Double IPA mit extremer Hopfenbittere, für jeden war etwas dabei. Einige der vertretenen Brauereien präsentierten auch Nebenprodukte wie Wurst und Nudeln mit Bier oder Bierschnäpse, der Bierzwerg bot an seinem Stand zudem weitere Biersorten am eigenen Stand zur Verkostung und zum Verkauf an. Eine Liste aller Brauereien, die vor Ort waren, findet sich auf der offiziellen Homepage des Festivals.

Mit dem Original Scharfmacher von der „Currywurst“ aus Wanne-Eickel machte ich mich auf die wundersame Reise durch viele mir bis dahin noch unbekannte Delikatessen aus der Welt der Biere.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass jedes der vorgestellten Biere etwas besonderes war, ich möchte allerdings ein paar hervorheben, die mich wirklich beeindruckt haben:

  • Dr. Markus Fohr von der Lahnsteiner Brauerei hatte unter anderem das „Aperitiv“ im Gepäck, ein äußerst aromatisches Kräuterbier, dessen leichte Schärfe im Abgang vom im Brauprozess verwendeten Ingwer ausgelöst wird.
  • Die Braumeister der Oud Beersel Brouwerij aus Belgien hatten all ihre Spezialitäten geschickt, darunter das „Oude Geuze„, das erst in der vergangenen Woche bei den Australian International Beer Awards gleich zwei Preise als das beste internationale Bier und das beste Belgian & French Style Ale abgeräumt hat. Ich bin kein Freund von Lambics, aber man schmeckt sofort, dass man es hier mit einem Bier der absoluten Spitzenklasse zu tun hat.
  • Eine nicht ganz so weite Anreise hatte Fritz Wülfing von Fritz Ale aus Bonn. Mit dabei waren das Fritz IPA und das sagenhafte Fritz Imperial IPA, das jeder IPA-Freund probiert haben sollte. Dieses Bier landet auf meiner Favoritenliste ganz oben.
  • Das Siegburger Brauhaus hatte neben den angekündigten Sorten Maibock und LSR noch ein ganz besonderes Schmankerl zum Ausschank mitgebracht: Das Feliz Navidad Gewürzbier, das mit Orangenschalen gebraut wird. Nach der Verkostung ließ ich mir von Ulrich, der mir im Gespräch auch den Brauvorgang etwas ausführlicher beschrieb, gleich eine Flasche frisch abfüllen, die nun im Kühlschrank auf die erneute Verkostung wartet.

Das Festival der Bierkulturen hatte neben diesen speziellen persönlichen Höhepunkten noch eine ganze Menge anderer Spezialitäten zu bieten und war für mich ein absolut lohnenswerter Ausflug. Öfter sollte eine solche Veranstaltung allerdings auch nicht stattfinden, denn das Angebot großartiger Biere wird sichtlich immer größer, was zumindest im gestrigen Fall gar nicht gut für den Geldbeutel war. 🙂

Craft Beer Store Hamburg eröffnet

Am 15.05. eröffnete um 12 Uhr der Craft Beer Store in Hamburg als Ableger der bekannten Ratsherrn Craft Beer Brauerei.

Ab sofort präsentieren sich auf 25 Metern Regalfläche und einem wirklich schick eingerichteten Shop 350 Bierspezialitäten (in Zukunft werden es sicher noch mehr werden).

Highlights des Stores sind neben der Einrichtung und Produktvielfalt sicherlich das begehbare Kühlhaus, die sichtbare und spürbare Liebe der Betreiber zur Materie sowie die offene Verkostung der neu eingetroffenen Biere jeden Freitag und Samstag von 18 – 20 Uhr. Es wird derzeit auch auf Hochtouren an der Website inklusive Shop und Versand gearbeitet. Das dürfte in Zukunft eine schöne, neue Quelle für tolle Biere werden und der Laden rechtfertigt einen zukünftigen Besuch in Hamburg allemal. Wir jedenfalls planen schon unsere nächste Hamburg-Fahrt um einen Besuch an der Sternschanze!

Craft Beer Store Hamburg
Lagerstraße 30a
20357 Hamburg
http://www.craftbeerstore.de http://www.facebook.com/craftbeerstore.hamburg
Geöffnet Montag – Samstag von 12 – 20 Uhr.

Craft Beer – ein kleine Einführung

Vielleicht ist Euch auch außerhalb unseres Blogs schonmal der Begriff Craft Beer über den Weg gelaufen, vielleicht beschäftigt Ihr Euch selbst damit, vielleicht seid Ihr aber auch noch Neulinge auf diesem Gebiet und möchtet Euch erstmal informieren, was sich denn hinter diesem Begriff verbirgt. Genau das möchten wir mit diesem Artikel versuchen.

Deutschland, Land des Bieres – das verbindet man in vielen Ländern (und auch oft innerhalb Deutschlands) mit uns, wenn man an typisch deutsche Eigenschaften denkt. Doch kaum jemand der dieses Attribut verleiht, wird sich bewusst darüber sein, wie vielfältig denn die (deutsche) Bierlandschaft wirklich aussieht. Global agieren, wie in anderen Branchen auch, häufig Großkonzerne. Der Weltgrößte Bierkonzern InBev produzierte so zum Beispiel im Jahr 2007 über 240 Millionen Hektoliter an Bier, im Vergleich zur Bochumer Moritz Fiege Brauerei (welche auch dem Craft Beer Segment auch schon länger entwachsen ist) mit seinen 150.000 Hektoliter im Jahr eine unglaubliche Menge. Naturgemäß setzen sich Unternehmen einer Größenordnung mit mehreren Milliarden Euro oder Dollar an Umsatz andere Ziele als lokale Brauereien: Es geht hauptsächlich um Marktsättigung und Gewinnoptimierung, nicht notwendigerweise um qualitativ hochwertiges Bier. Das produzierte Getränk soll möglichst vielen Käufern schmecken um von Ihnen konsumiert zu werden und somit wiederum dem Konzern das Geld in die Kassen zu spülen.

Die Folgen davon sind so vielfältig wie gravierend:

  • die Geschmacksvielfalt der angebotenen Biere leidet. Da das Endprodukt einem Millionenpublikum schmecken muss, muss zwangsläufig ein gemeinsamer Nenner gefunden werden, d.h. das Bier schmeckt langweilig und facettenlos und ist generelle einfach wesentlich weniger komplex als Produkte kleinerer Brauereien.
  • die Produktpalette ist eingeschränkt, da man es sich nicht leisten will, Geld mit Linien zu verschwenden, die nur einen Nischenmarkt bedienen. Es gibt also wenig Neuerungen.
  • die verwendeten Rohstoffe stammen unter Umständen aus fragwürdigem Anbau, d.h. sind unter Verwendung gentechnisch veränderten Saatguts entstanden, da diese Pflanzen resistenter gegenüber Schädlingen sind und sich die Ausbeute bei der Ernte besser normieren lässt, was für die Gewinnoptimierung wichtig ist.

Das ist natürlich nur eine erste, kleine Handvoll an Folgen, wie wir jedoch meinen, mit die Gravierendsten. Um es kurz zu machen: Craft Beer bedeutet im Kern eigentlich die Umkehrung dieser Prinzipien. Die Kollegen von lieblingsbier.de bringen es auf den Punkt, wenn sie sagen:

Ein handwerklich gebautes Bier unterscheidet sich dabei vor allem in dieser Idee. Hier versucht der Braumeister nämlich etwas zu schaffen was schmeckt. Und zwar nicht jedem und überall, sondern meist vor allem ihm selbst. Kein Craft Brewer würde ein Bier in Umlauf bringen, von dem er nicht selbst absolut überzeugt ist.

Ein Craft Beer kommt definitionsgemäß (auch wenn es eigentlich nicht wirklich eine einheitliche Definition für den Begriff gibt) aus Mikrobrauereien und mittelständischen Brauereien. Es wird daher zumeist in wesentlich geringerer Menge hergestellt, wobei auch die Art und Weise der Herstellung noch wesentlich mehr mit dem Handwerk des Brauens zu tun hat, als in den Großbrauereien, in denen fast jeder Prozess des Brauvorgangs nur noch über Computerbildschirme abgewickelt wird. In einer Craft-Beer-Brauerei steht der Brauer meist noch selbst an Maischebottich und Sudpfanne, um seinem Bier mit seiner Erfahrung und Liebe den richtigen Dreh zu geben. Auch die verwendeten Zutaten sind hochwertiger, die daraus resultierenden Biere komplex im Geschmack und reich an Aromen, wie man es von Industrieprodukten nicht kennen würde. Die Brauer haben eine große Leidenschaft, aus ihren Bieren etwas besonderes zu machen, tolle Abfüllungen zu kreieren, die einem guten Wein in Sachen Geschmacksvielfalt und Komplexität in nichts nachstehen. Leider ist die Experimentierfreude der Braumeister oft wesentlich größer als die der potentiellen Kunden, denn viele Menschen, die sich einmal an ein Craft Beer wagen sind damit konfrontiert, dass es einfach meistens ganz anders schmeckt, als das, was man bisher als Bier gewohnt war. Man braucht daher zwangsläufig einen aufgeschlossen und experimentierfreudigen Entdeckergeist, um die ganze Welt der Craft Biere genießen zu können.