Ich geh Trinkhalle! Ein Abend in Bochum.

Tom Gawlig lädt ab sofort an jedem ersten Mittwoch im Monat zur Bierakademie in seiner „Trinkhalle Ruhrgebiet“ – das Gründungstreffen war ein voller Erfolg!

Noch nicht einmal 2 Monate ist Tom’s Baby nun alt und doch hat er es bereits jetzt geschafft, den Bochumern Durst auf Bier abseits des Massenmarktes zu machen. In seiner sympatisch minimalistisch eingerichteten Trinkhalle (direkt am aufstrebenden „Kortländer Kiez“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kugeldpudel, Blondies und Co.) nimmt man Platz auf (zugegeben nicht ganz so bequemen) Sitzgelegenheiten aus Europaletten, die auch schon einen Großteil der gesamten Einrichtung (wenn man mal von der Tischtennisplatte und dem Kicker im Nebenraum absehen möchte) ausmachen.

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Daniel beim Aufwärmen

Aber das ist gut so, denn so kommen die 4 randvoll mit lokalen und einigen internationalen Bierspezialitäten gefüllten Kühlschränke, die frei im Gastraum stehen und an denen Selbstbedienung das Motto ist, hervorragend zur Geltung.

„Mein Traum war es immer, ’ne richtig typische Ruhrgebietstrinkhalle mit allem, was man da so kaufen kann, aufzumachen.“ erzählt Tom von seiner Motivation. Deswegen gibt’s in der Trinkhalle auch nicht nur Getränke, sondern diverse Kleinigkeiten wie Süßes, Salziges und typisch kneipiges wie Soleier (im Großen Glas auf der Theke) und Frikadellen.

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Die Truppe der Gründungsversammlung der Bierakademie

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Braumeister und Dozent des Abends Gerd Rühmann mit einem kühlen blonden in der Faust

Der geneigte Leser wird sich aber sicherlich denken können, dass wir nicht wegen den essbaren Leckerchen dort waren. Nein, uns hat besonders Tom’s Aufruf zur Gründung der „Bierakademie“ gelockt und so fanden wir uns (zur geschlossenen Gesellschaft) mit einer Handvoll weiterer Interessierter ein, um uns von Braumeister Gerd von der Lindenbrauerei in herrlich lockerer und humorvoller Art Wissenswertes zu den Bieren und etliche Anekdoten zum Thema Bier und Brauen vortragen zu lassen. Im Verlauf des Abends wurden sechs verschiedene Biere verkostet: Augustiner Edelstoff,  das klassische Moritz Fiege PilsKuchlbauer Turmweisse, Grimbergen Dubbel, das eigenwillige Pumpernickel Porter vom Gruthaus und zum Abschluss das Doppel Bock von Vormann aus Hagen, der nächsten Privatbrauerei ganz in der Nähe. Gereicht wurden dazu Soleier und von Gerd selbstgebackenes Treberbrot mit Schmalz. Die Geschmacksneutralisation zwischen den Bieren fand nicht etwa mit langweiligem Wasser statt: Für den Schluck zwischendurch und den Durst hatte Gerd die Eigenkreation „Kortländer Gold“ im Gepäck, ein herrlich leichtes und erfrischendes Tröpfchen mit hohem Huch-schon-leer-Faktor.

Man darf Tom wirklich Glück und weiteren Erfolg für die Zukunft der Trinkhalle wünschen, denn in einer Zeit, in der immer mehr Vereinheitlichung und Systemgastronomie individuelle Ideen verdrängt, braucht es Projekte wie dieses, um mal wieder vor Augen zu führen, wie schön doch Bodenständigkeit sein kann! Einen kleinen Ausblick gab Tom dann noch „Keine Angst, es werden noch weitere Biere ins Sortiment aufgenommen und das ein oder andere Speziellere wird sicherlich auch dabei sein.“.

Wir freuen uns sehr über diesen ersten Biertempel in Bochum, der uns endlich eine neue, eine erfrischende, eine offene Bierkultur mit all ihrer Vielfalt eröffnet. Hier bei uns zu Hause.

Trinkhalle Ruhrgebiet
Herner Str. 8, 44787 Bochum
Donnerstag bis Samstag
17:00 bis 22:00 Uhr
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Selbst gebraut – die Zweite!

Ziemlich genau drei Wochen vor Weihnachten haben wir uns wieder getraut: Die zweite Runde mit meinem Selbstbrauset stand an. Mit der Erfahrung unseres ersten Durchgangs, einer anderen Mischung und ein wenig Motivation sollte alles besser werden. Und siehe da: Mehr als diese Zutaten braucht man nicht, um ein trinkbares Bier herzustellen. Weiterlesen

Brau you, brau me

Der dreißigste Geburtstag des Herrn Zellmer (im Folgenden „Max“) brachte diesem nicht nur die Einsicht, dass man das mit dem Erwachsenwerden letztendlich selbst bewerkstelligen muss und es entgegen aller ursprünglichen Vermutungen nicht mit dem Erreichen der großen DREI am Anfang getan ist.

Der dreißigste Geburtstag – und damit kommen wir zum Thema – brachte dem Max allerlei aus der Welt des Bieres, so auch ein Hobbybrauset vom Hobbybrauerversand und einen passenden Einkochtopf, den man wunderbar auch zum Würzekochen verwenden kann. Selbstredend entschloss das Geburtstagskind sich nach Erhalt dieses fabelhaften Geschenkes dazu, seine allerersten Versuche zusammen mit Herrn Zog zu unternehmen.

Max verfügt nun also über zwei große Eimer mit spezieller Brauausstattung sowie einen Kronenverkorker, der allerdings zunächst nur spaßeshalber verwendet wird – dazu später mehr.

Mit im Paket die Mischung für das erste „Klosterbier“, bestehend aus zwei verschiedenen Malzen, Hopfenpellets und einem Tütchen Magie, der Trockenhefe. Gemäß der mehr oder weniger ausführlichen beiliegenden Anleitung machten wir uns also nach der verpflichtenden Anmeldung beim zuständigen Hauptzollamt ans Werk:

Bevor all der Kladderadatsch in der aufwendigen Prozedur ein Bier wird, müssen verschiedene Vorgänge so exakt wie möglich durchgeführt werden. Hierzu gehört das mehrmalige Aufheizen auf bestimmte Temperaturen und längeres Halten für genau vorgegebene Zeitspannen. Kurz gesagt wird aus dem Malz Zucker gemacht, welches dann mit Hopfen versetzt wird. Letzteres geschieht im Regelfall beim Kochen. Das ist üblicherweise in jeder Brauerei so, ob groß oder klein. Zum Unterschied der großen Brauereien und dem von uns mittlerweile geliebten „Craft Beer“ folgt bald ein gesonderter Beitrag.

Nach der Umfüllung des gekochten Malzwassers, das man Würze nennt, in den Gäreimer wird dann erst einmal abgekühlt und – ebenfalls nach strikten Anweisungen – die Hefe hinzugegeben und alles fest verschlossen und mit einem Gärröhrchen versehen. Nun beginnt die Hauptgärung: Die Hefe zersetzt den Zucker in der Würze zu Alkohol und Kohlenstoffdioxid und arbeitet außerdem an der Bekömmlichkeit des zukünftigen Getränkes. Hefe ist einfach ein tolles Zeug!

Es gibt massenhaft verschiedene Mischungen aus allerlei Zutaten und auch unheimlich viele verschiedene Vorgehensweisen beim Brauen. Hier haben wir uns zunächst mal recht genau an das Rezept gehalten, schließlich muss man auch erst mal ein Gefühl für das Brauen bekommen. Allerdings hat Max während der Hauptgärung noch zusätzlichen Aromahopfen hinzugegeben (Hopfenstopfen), um gleich etwas „besonderes“ aus seinem ersten Bier zu machen.

Mittlerweile ist das Bier in 24 0,5l-Bügelflaschen, eine 1l-Bügelflasche und eine 0,33l-Longneckflasche umgefüllt. Darin muss es jetzt noch eine Woche bei Zimmertemperatur und dann zwei Wochen bei möglichst niedriger Temperatur lagern. In der ersten Woche nach der Hauptgärung, also innerhalb der Flaschen, bildet sich erst die Kohlensäure, weswegen dies in den ersten Tagen regelmäßig überprüft werden muss. Da wir noch keine Erfahrung haben, haben wir uns deswegen für Bügelflaschen entschieden, weil man die leicht öffnen und wieder verschließen kann.

Ein Problem – neben der ganzen Sauerei in der Küche, die irgendjemand ja auch wieder wegmachen muss – ist die Verschiedenheit des Umgangs mit den Materialien. In diesem Klosterbierrezept beispielsweise füllt man nach der Hauptgärung gleich in Flaschen. Sinnvoller wäre es aber im Nachhinein gewesen, erst in einen anderen Bottich umzufüllen. Jetzt haben wir in jeder Flaschen noch eine gehörige Menge an Schwebstoffen, die hoffentlich beim Verkosten in den Griff zu bekommen ist. In etwa zweieinhalb Wochen wissen wir mehr!

Bierseminar!

Auf ging’s am Samstag zu einem Tag rund ums Bier: Im FBS Recklinghausen fand unter der Leitung von IHK-Bierbotschafter Matthias Kliemt ein Bierseminar statt. Über das mehrere Stunden dauernde Seminar hinweg gab es allerlei nützliches Wissen um Maischen, Gärung, Läuterung und den Brauprozess. Mit Hilfe der BrauEule der Firma Brumas brauten wir währenddessen unser eigenes Bier.

Da ein Bier erwartungsgemäß nicht an einem Nachmittag genussfertig ist, sondern nach dem Brauen noch einige Tage gären und einige weitere Wochen reifen muss, wir aber nicht auf den Biergenuss an dem Abend verzichten wollten, hatte Matthias einige Exemplare zur Verkostung dabei.

Anfangs waren wir etwas enttäuscht, gab es doch zum Start das eher langweilige Helle von Schröder und noch schlimmer, die BVB-Meisterschaftsedition vom Brinkhoffs Pils. Nachdem wir uns aber mit einer selbstgerechten Suppe und Schmalzbroten die Grundlage geschaffen hatten, fuhr Matthias die guten Sachen auf:

Das Aktien Zwick’l Kellerbier aus der Bayreuther Bierbrauerei war ein guter Anfang. Angenehm süffig und  weizenartig. Im Anschluss daran war das herzhaft-rauchige Whiskey-Bier (mit Hilfe von Torf getrocknetes Malz findet hier Verwendung) von Hösl quasi das Gegenteil von dem leichten, fast subtilen Zwick’l. Das Highlight war aber das Pyraser Herzblut, ein Imperial Pale Ale mit 8,6 Volumenprozent Alkoholgehalt. Wir hatten es ungekühlt und so konnte es auch seine ganze Geschmacksvielfalt zeigen.

Alles in einem ein sehr gelungener Samstag und wir freuen uns auf unser fertiges Bier, dessen Verkostung wir in einigen Wochen dann selbstverständlich auch hier dokumentieren werden.

Derweil warten auf uns bereits die nächsten Abenteuer. Noch diese Woche fällt der Startschuss für den ersten eigene Brauvorgang ohne fremde Hilfe und mit etwas „weniger“ professionellem Equiment. Man darf gespannt sein…