Kalea Bier-Adventskalender

Als besonderes Schmankerl für die Bierfreundin oder den Bierfreund in der Vorweihnachtszeit setzen sich vermehrt bierige Adventskalender durch. Die am flächendeckendsten erhältlichen kommen dabei von Kalea.

Neben einem Craft-Bier-Adventskalender gibt es auch den „normalen“ Bier-Adventskalender mit deutschen Spezialitäten. Wir haben schon einmal Mäuschen gespielt und reingeschaut. Highlights sind auf den ersten Blick sicherlich der Celebrator von Ayinger und der Riegele Doppelbock.

Erhältlich sind solche Kalender zum Beispiel im Biermuda-Outlet in Bochum oder bei Mein-Adventskalender.de (woher uns auch dieses Muster erreicht hat).

Eine abschließende Bewertung des Kalenders gibt es dann nach der Weihnachtszeit und somit auch nach der Verkostung der Biere. Wir wünschen euch bis dahin schon einmal eine frohe Weihnachtszeit!

Mücke – Craft Beer ausm Revier

Besonders im vergangenen Jahr gor es richtig in der lokalen Craft-Bier-Szene und diverse Brauerei-Startups, Biershops und weitere, bierverwandte Unternehmen gingen an den Start. Wohl die von unserem Bochumer Standort aus gesehen nächste Craft-Location haben die Jungs von MÜCKE (benannt nach dem letzten Grubenpferd der Zeche Zollverein) aus Essen Anfang Oktober exklusiv im BIERMUDA mit dem Launch ihrer ersten zwei Biere präsentiert.

Max vom Biermuda und die beiden MÜCKEn

Max vom Biermuda und die beiden MÜCKEn

 

14826250_10205144979222344_1552361393_nDas exotischere der beiden Start-Bräus ist mit Sicherheit das Ingwer Pale Ale. Auf Basis eines Pale Ales mit 4,9%-Vol. erwartet uns ein satt bernsteinfarbenes Bier mit kräftigem Schaum. Man muss gar nicht nah rankommen, um direkt auch blind zu wissen, was einen erwartet: ein toller Geruch nach frischem Ingwer strömt in die Nase. Begleitet wird der Eindruck von Zitrusnoten, die sich naturgemäß als passender Partner für den Ingwer präsentieren. Im Antrunk erlebt man dann eine freudige Überraschung: hier handelt es sich wirklich um ein Pale Ale mit echtem Ingwer und nicht um eines dieser „künstlichen“ Ingwerbiere, welche sich im Kleingedruckten meist als Biermischgetränke herausstellen. Der Ingwer harmoniert hervorragend mit den zitronigen Hopfenaromen und macht das Bier zu einem sehr erfrischenden Getränk. Super als Begleiter zum Sushi!

14797526_10205144979502351_892636715_nBeim Single Hop Comet ist man dann wieder „traditioneller“ unterwegs: eine solides, kräftiges (5,9%-Vol) Pale Ale auf Comet-Basis. Wie zu erwarten haut einen hier eine wahre Maracuja-Bombe um! Sowohl in der Nase als auch im Antrunk dominiert die tropische Frucht deutlich vor einem kräftigen Malzkörper und einer doch recht deutlichen Bittere. Leider war in meiner Abfüllung etwas wenig Kohlensäure vorhanden, was dann auch die geringe Schaumbildung erklärt.
Beide Biere waren im Biermuda innerhalb weniger Tage restlos vergriffen und auch sonst aufgrund von Produktionsengpässen bereits nicht mehr zu bekommen. Zurzeit sind die Mücke-Jungs Dennis, Darijo und Michael bereits im Gespräch mit einer neuen Brauerei, bei der sie die nächsten Sude brauen können. Sofern man sich hier einig wird, kommen wir voraussichtlich noch rechtzeitig zu Weihnachten (genauer gesagt Mitte Dezember) in den Genuss von neuen MÜCKE-Bieren.

„BEEF! Craft Bier“ erschienen

Als drittes Buch der als fünfteilige Reihe geplanten Genuss-Bücher der „Kochzeitschrift für Männer“ BEEF! ist nun der großformatige Band rund um unser aller Lieblingsthema Craft Bier erschienen. Wir haben einmal reingelesen.

Unbenannt

Als erstes fällt ins Auge, dass die jüngst erschienenen Bücher zum Thema alle einer ähnlichen Struktur zu folgen scheinen:
Den Anfang findet das BEEF!-Buch – wie schon die Veröffentlichungen von Fritz Wülfing, Oliver Wesseloh oder dem Cocktailion – in einem Überblick über die Historie des Bieres und den Wandel vom Alltagslebensmittel hin zum Genussmittel. Danach widmet man sich mehr oder weniger ausführlich der deutschen und internationalen Craft-Beer-Szene und beleuchtet dabei insbesondere die deutschen Pioniere näher. Im „Praxisteil“ finden sich dann Infos zu den bekanntesten Bierstilen sowie detaillierte Anleitungen zum Heimbrauen inklusive Rezepten von den Profis wie Wülfing, Hanke, Mergel & Co.

Foto: Frank Bauer für Tre Torri Verlag

Foto: Frank Bauer für Tre Torri Verlag

bevor es dann, ganz BEEF!-typisch, im letzten Buchteil auch noch das ein oder andere außergewöhnliche Rezept für Gerichte mit Bier zu entdecken gibt.
Hier merkt man auch am deutlichsten, dass man sich mit Essen und der Präsentation hiervon bei BEEF! bestens auskennt, denn die Fotos zu den Rezepten lassen einem wirklich das Wasser im Munde zusammen laufen.

Peter Schulte für Tre Torri Verlag

Peter Schulte für Tre Torri Verlag

Insgesamt lohnen sich die 39,90€, für die das Buch im Handel erhältlich ist, auf jeden Fall. Angefangen bei der sehr stimmigen Präsentation über die fachliche Kompetenz bis hin zu den immer wieder eingestreuten, auflockernden Interviews mit Persönlichkeiten der Bierlandschaft werden hier viele Fakten und Wissenwertes in angenehmer Weise vermittelt. Zugreifen lohnt sich!

Freundlicherweise wurde uns vom Tre Torri Verlag ein Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Nicola Neumann im Interview

Bereits seit 2013 etabliert Nicola Neumann bereits die Weininseln mit den Zielen, viele Menschen in Weinfachhandlungen zu holen, Schwellenängste abzubauen und Weinerlebnisse zu bieten, die inspirieren und im Gedächtnis bleiben. Ähnliche Intentionen verfolgt Sie nun auch mit den im Juli diesen Jahres erstmals in Hamburg, Berlin und München zelebrierten Bierinseln.
Über die Ursprünge und die Zukunft der Bierinseln gibt sie im folgenden einen kleinen Einblick.

1920504_10152848917001796_3043886193629179734_n

image003

Du kommst ja aus der Weinwelt. Wie kam es dazu, dass du dich vermehrt für Bier interessiert hast und nun die Bierinseln organisierst?
Bier war vor den Bierinseln für mich gar kein Thema. Ich kannte nur die Standard Biere und fand das alles nicht sehr aufregend. So entsteht die typische Haltung, die viele haben: „Ich bin kein Biertrinker.“
Nachdem die Weininseln – dasselbe Konzept für Wein – schon zwei Jahre gut lief, habe ich 2014, zusammen mit dem Biersommelier Holger Hahn aus Neugier die Bierinseln gestartet. Das war ein großartiger Erfolg und so bin ich in zwei weitere Städte gegangen dieses Jahr: Hamburg und Berlin. Und seit dem brenne ich richtig für Craft Bier, ich finde es extrem spannend und möchte mich gerne intensiv auch in Zukunft damit beschäftigen.

Kurz und prägnant: Was unterscheidet aus der Sicht einer Feinkost-Expertin Bier und Wein?
Wein und Bier – beide Parteien können sehr viel voneinander lernen: Im Bierbereich sind Verkostungen nicht üblich, nicht jeder Laden hat Verkostungsgläser und in vielen Getränkemärkten bekommt man in Bezug auf Bier noch wenig inspirierende Infos. Der Weinbereich dagegen ist hochprofessionell, aber manchmal auch gähnend langweilig, das ist mir erst seit den Bierinseln so richtig aufgefallen. Es fehlt Innovation an jeder Ecke, da kann man sich von den Impulsen der aktuellen Bierbewegung viel abschauen. Die Erkenntnisse aus beiden Bereichen helfen mir, neue Impulse auf der einen – wie auch auf der anderen Seite einzubringen.

Die Bierinseln haben nun in Hamburg, Berlin und München stattgefunden. Siehst du Expansionspotenzial?
Diese Veranstaltung müsste eigentlich in 5-6 Metropolen jedes Jahr stattfinden, so viel Freude bereitet sie. Auf der anderen Seite ist es extrem aufwändig zu organisieren und ohne Sponsoren ist eine weitere Expansion nicht möglich. Wir würden aber gerne mindestens 3 Events jedes Jahr machen und sind sehr zuversichtlich, dass wir dafür auch die geeigneten Förderer an Bord holen können.

Wo soll es denn hingehen? Hältst du das Ruhrgebiet für geeignet?
Ich hätte große Lust die Bierinseln in einer Stadt zu machen, wo sonst nicht so viele Craft Bier Events sind. Ich denke, dass dann die Freude darauf umso größer ist und auch das Engagement der einzelnen Teilnehmer umso stärker. Davon lebt unser Konzept, dass alle mitziehen, sich ein spannendes Programm einfallen lassen und am Event Tag eine tolle Performance abliefern.

Wie beurteilst du die Möglichkeiten der Vernetzung bei diesen Events? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man zu vielen Veranstaltungen eingeladen wird und auch gern hinfahren würde, aber mangels organisatorischer bzw. finanzieller Mittel klappt das meist nicht. Bleiben die Bierinseln deswegen überwiegend regional?
Ich finde die Bierinseln überhaupt nicht regional. Wir waren in München, Hamburg und Berlin und in allen Städten zusammen hatten wir sicher 40 Gastbrauer auf die Inseln verteilt aus Deutschland, Österreich, Italien sogar USA. Insgesamt haben mehr als 90 Protagonisten der Craft Bier Szene in Deutschland mitgewirkt. Ein großer Teil der Besucher ist englischsprachig, viele Expats kommen, viele Gäste sind aus ganz Deutschland zu den Inseln angereist, manche haben sogar alle drei Events nach einander besucht. Deswegen haben wir es ja auch so genannt: Deutschlands größter Craft Beer Crawl. Viele neue Partnerschaften kommen zustande, da die Inseln das Bier der Gastbrauer anschließend gerne im Sortiment aufnehmen. Viele Teilnehmer haben betont, dass durch die Bierinseln der Zusammenhalt gefördert wurde. Bereits im Vorfeld tauschte man sich aus und auf der Abschlussparty kamen oft zum ersten Mal alle Protagnisten einer Stadt zusammen. Das schafft auch diese ganz besondere Atmosphäre.

Du beobachtest die Szene schon eine Weile. Wie lange glaubst du, dass die Craft-Bier-Bewegung in Deutschland wächst? Gibt es wirklich Anlass zur Sorge – wie einige behaupten – dass wir hier einem Bubble-Tea-Phänomen gegenüberstehen und alles in ein paar Jahren wieder vorbei ist?
Ich weiß nicht, ob wir auch 10% erreichen, wie in den USA, aber insgesamt geht die Bewegung zu mehr Individualität und „Wissen woher’s kommt“. Das hilft dem Thema Craft Bier und weil es wirklich tolle, hochwertige Produkte sind, wird das keine Blase sein. Wenn man einmal auf den Geschmack gekommen ist, ist der Weg wieder zurück zu Einheitsprodukten sehr schwer und auch unnötig. Und dieser wilde Spaß und Entrepreneurs-Geist, der durch die Szene weht, wird uns noch eine ganze Zeit lang inspirieren und nicht so schnell abebben. Gute Produkte werden am Ende bleiben, nicht alle, aber eine ganze Menge.

Was ist eigentlich dein Lieblingsbier?
Das ändert sich natürlich ständig, aber eine tolle Neuentdeckung der letzten Zeit war zum Beispiel der Doppelbock vom elbPaul. Überhaupt mag ich sehr gerne dunklere, wärmere, gehaltvollere Bier wie z.B. das Baltic Porter von Buddelship oder Holy Cowl von Craftwerk.

Vielen Dank an Nicola für die interessanten Einblicke!

 

Mainz bekommt eigene Craft Beer Messe!

Wie wir der unterstehenden Pressemitteilung entnehmen können, bekommt Mainz im November diesen Jahres seine eigene, auf unser Aller Lieblingsgetränk spezialisierte Messe. Wir dürfen gespannt sein, wie sich das Format entwickelt und auf die Resonanz in der Szene. Es wäre auf jeden Fall sehr wünschenswert, eine weitere Möglichkeit zum Austausch mit Brauern und Bier-Freunden zu haben und die Daumen für die erfolgreiche Erstveranstaltung sind gedrückt! 

Zwei Tage im Zeichen höchster Braukunst: Am 27. und 28. November 2015 veranstaltet das Messeunternehmen RAM Regio die erste CraftBeerMesse der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz. In der Alten Lokhalle werden kreative Brauer ihre Produkte vorstellen und zum Verkosten anbieten. Der angeschlossene HobbyBrauerMarkt bietet interessierten Besuchern das nötige Equipment zum Selberbrauen. Vorträge und Workshops liefern das Wissen dazu. Auch ein Hobbybrauerwettbewerb ist geplant. Im Bereich „Finest Food“ kann der Messebesucher bei ausgesuchten Anbietern den berühmten Bierhunger stillen. Im Messeshop stehen die präsentierten Biere zur Mitnahme bereit. Partner des Messeveranstalters ist das CraftBeer-Zentrum Mainz. Die Projektleitung der CraftBeerMesse liegt in den Händen von Michael Hay, selbst Hobbybrauer und Craft Beer Fan. Unter dem Begriff Craft Beer (Craftbier) versteht man individuell gebraute Biere, die sich in Qualität und Geschmack von den industriell gefertigten „Massenbieren“ abheben. Dabei experimentieren kreative Brauer auch schon mal mit Zutaten jenseits von Hopfen, Malz, Wasser und Hefe und lassen historische Bierstile wieder aufleben. Natürliche Zutaten und traditionelle Braukunst, verbunden mit innovativen Rezepten, zeichnen die Craft Brauer aus. Der deutsche Craft Beer-Markt erfreut sich an stetigem Wachstum. Regelmäßig eröffnen neue innovative Brauereien, die mit Sorten wie Porter, Rauchbier, India Pale Ale oder Barley Wine die deutsche Bierlandschaft bereichern und mit ungeahnter Geschmacksintensität bei bekannten Stilen wie Pils oder Weizen überraschen. Die Bekanntheit solcher Bierspezialitäten zu steigern und deren Verfügbarkeit in Gastronomie und Handel zu erhöhen ist das Ziel der Mainzer CraftBeerMesse. Mit ähnlicher Zielsetzung veranstaltete die RAM Regio in diesem Jahr erstmals die Wein-Direktverkaufsmesse „RegioWein“. 78 Winzer aus den umliegenden Weinregionen konnten an ihren Probierständen erfolgreich auf sich und ihre Weine aufmerksam machen und dabei über 800 Kisten Wein verkaufen. Die erste Mainzer CraftBeerMesse wird an beiden Veranstaltungstagen – Freitag und Samstag – von 14 bis 22 Uhr geöffnet haben. Kontakt: Michael Hay, Tel. 06131 96504-40, E-Mail m.hay@ram-gmbh.de. Weitere Infos: www.craftbeermesse.de, www.facebook.com/craftbeermesse 

 

Verkostungsnotiz – Black Nizza

Einen grandiosen Einstieg hat Christian Hans Müller für seine international orientierte Marke Hanscraft & Co. bereits im vergangegen Jahr hingelegt. Sein West Coast IPA mit dem markanten Namen Backbonesplitter erzielt Bestnoten auf ratebeer.com. Jetzt steht endlich die zweite Abfüllung auf unserem Verkostungstisch. Ob das Black Nizza den hohen Erwartungen enstprechen kann? Probieren wir’s!

Der Name lässt’s vermuten: es handelt sich um ein Stout, genauer gesagt sogar ein Imperial Stout. Erwartungsgemäß nachtschwarz und gekrönt von dunkel-cremigem Schaum kommt es ins Glas und man könnte fast meinen, dieses Bier schluckt Licht. Kein Wunder, wurden doch ein ganzes Dutzend Spezialmalze für den Sud verwendet.

In der Nase sind für mich sofort ein intensiver Duft von reifen Bananen, Kaffee und typischen Hefenoten präsent. Auch geschmacklich bleibt Christian nichts schuldig. Die kräftigen 9 %-Vol. merkt man dem Bier nicht auf Anhieb an, denn geschickt balancieren Süßholz, herbe Schokolade und abermals Bananen den Alkohol aus.

Der große, dunkle Burder des Bayerisch Nizza macht alles richtig und so kann man sich nur schon heute auf Christians nächsten Coup mit dem klangevollen Namen „Very White Pornstar“ freuen: das Witbier wird voraussichtlich ab ca. Mai in der Flasche erhältlich sein. Wer nicht solange warten mag hat die Chance, kommendes Wochenende vom 06.-08.03. auf der Braukunst Live! in München Bekanntschaft mit dem Pornstar zu machen.

 

 

Trinkhalle Ruhrgebeat: Das Interview

Die Trinkhalle Ruhrgebeat ist schnell zu einem Kulthort der neuen Bierkultur geworden. Am 3.12. fand dort das zweite Treffen der Bierakademie statt. Grund genug für uns, den Gastgeber und Inhaber der Trinkhalle Tom Gawlig mit ein paar Fragen zu löchern. Trinkhalle – Das Interview. Und zwar absolut uncut.

Frage:
Hi Tom! Schön, dass du kurz vor der Bierakademie noch Zeit für ein paar Fragen hast.
Was hat dich dazu bewogen, ausgerechnet im Ruhrgebiet ausgefallene Biere abseits des Mainstreams anzubieten? Meinst du, die Menschen sind bereit, sich vom klassischen Pils auf Neuland zu wagen?

Antwort:
Der Pott ist meine Heimat. und damit meine ich noch mehr die Haltung, den Spirit, als den RVR.
Das gleiche Ding hätte man auch in Duisburg oder Dortmund aufziehen können. Wahrscheinlich sogar in Dorsten oder Hagen. Keinesfalls jedoch in Berlin oder München. Da musst Du ganz andere Summen bewegen und dann noch hoffen, dass sie deinen Designer-Craft-Beer-Hotspot möglichst schnell im Loneley Planet erwähnen.

Biermäßig ist das Ruhrgebiet ja traditionell ganz vorne mit dabei. Quantitativ sowieso, aber auch der Qualitätsstandard, den Stauder, Fiege und Vormann seit weit über einem Jahrhundert halten, ist aller Ehren wert. Man könnte heute sicher noch ein paar stolze Marken mehr nennen wenn es der Werbeindustrie in den 80ern nicht gelungen wäre, den Leuten diesen Felsquellwasser-Premium-Pils-Humbug einzutrichtern.
Im Gegensatz zu damals müssen die Leute heute nicht überredet werden. Man ist so gelangweilt von der Sportschauplörre, dass jedes handwerklich gelungene Bier beinahe ein Selbstläufer ist.

trinkhalle

Der rustikale und gemütliche Innenraum der Trinkhalle Quelle: Facebookseite Trinkhalle ruhrgebeat.

 

Frage:
Wie schätzt du die aktuelle Entwicklung der Bierkultur hierzulande ein?
Wo geht die Reise hin?

Antwort:
Da hab ich zwar viel drüber gelesen, bin aber noch zu neu auf diesem Kontinent um umfassend und fundiert Stellung nehmen zu wollen.
Sicher ist jedoch, dass (in Deutschland reichlich spät) eine Bewegung in Gang geraten ist, die uns allen bessere Biere beschert hat und unumkehrbar bescheren wird.
Bleibt zu hoffen, dass nicht der ganze Rahm von Konzernprodukten wie Braufactum (Radeberger) oder Craftwerk (Bitburger) abgeschöpft wird. Biertrinken ist immer auch eine (lokal-)politische Entscheidung!

Frage:
Erzähle über die Trinkhalle? Was genau ist das Konzept?

Antwort:
Die Trinkhalle ist ein organisch wachsendes Ruhrgebietskioskprojekt. Die ausgewählten Produkte werden nach strengen geschmacklichen, ökologischen, regionalen sowie politischen Gesichtspunkten ausgewählt. Alles soll schlicht und gut und am Liebsten von hier sein!

Frage:
Ich hör immer „Kortländer Kiez“. Was kannst du darüber erzählen?

Antwort:
Unter dem Schlagwort versammeln sich seit einiger Zeit ganz unterschiedliche Leute, denen ihre Nachbarschaft rund um die ehemalige Kneipe „Kortländer“ am Herzen liegt.

Als ich vor ein paar Jahren nach Bochum kam, war mit den kurdischen und türkischen Clubs, Goldkante und Ebstein recht viel Leben im Quartier. Leider hat zwischenzeitlich – nicht immer ganz ohne eigenes Verschulden der Betreiber – alles dichtgemacht.
Seit ein paar Monaten geht’s jetzt fundamental in eine etwas hoffnungsvollere Zukunft für den Kiez. Dabei ist es ganz wichtig, alle mitzunehmen. So mag es wohl augenfällig sein, dass es hier das beste Bier, das beste Eis (im Kugelpudel), die beste Antipasti gibt. Aber das Tonstudio von Rang, der herausragende türkische Bäcker oder die sehr besonderen Wasserpfeifen sind noch nicht jedem geläufig.
Wir wollen hier die Weiterentwicklung eines multikulturellen und wahrhaft alternativen Mikrokosmos betreiben, handgemacht aber frei von Schischi und Pipapo.
Von öffentlichen Stellen erwarten wir dabei nicht mehr, als dass sie uns möglichst wenig in die Quere kommen.

Frage:
Erzähl doch mal was über die Idee zur Bierakademie!
Bist du überzeugt von den ersten beiden Ausgaben?

Antwort:
Die Bierakademie soll Wissen über Bier verbreiten. In ihrer Startphase ist es erstmal wichtig, Netzwerke zu knüpfen. Es sollen Leute zusammen kommen, die irgendwie mit besonderen Bieren zu tun haben. Wir hatten bislang Braumeister, Bierbrauer, Bierblogger, diverse Gastronomen sowie eine Reihe sehr interessierter Biertrinker da. Die Szene ist klein, aber sympathisch und der Feind ist medienmächtig. Ohne genau zu wissen, wo die akademische Reise hingeht, wird es der Bierbewegung nützen, wenn man sich austauscht. Auch dieses Gespräch legt davon Zeugnis ab.

Frage:
Was ist deine Lieblingsbiersorte? Deine Lieblingsbiere?

Antwort:
Geschmack ist immer Bildung – ist nie statisch. Bei der neuen Biervielfalt geht es immer auch darum, Geschmack zu verorten. Auch ein Bier, welches nie mein Lieblingsbier werden kann, hilft mir dabei, mein Geschmacksempfinden zu schulen. So wenig wie der erste Single-Malt-Whisky wird mir wahrscheinlich das krasseste XXX-IPA zunächst schmecken. Aber gut möglich, dass einem geschulten Gaumen nix zu torfig/hopfig sein kann.
Aber ich will gar nicht ausweichen. Die sauren belgischen Biere haben es mir besonders angetan. Für ein Kriek von De Ranke würde ich nicht nur im Sommer alles stehen lassen.
Nicht unerwähnt bleiben darf aber auch das IPA vom brauprojekt 777: das ist einfach total sympathisch – das Bier und das Projekt.
Wenn ich mir allerdings vornehme, eine ganze Kiste zu trinken, dann würde ich sie gerne mit Vormanns Vorder starten und mit Alt und Doppelbock vollenden!
Getz kriegich aber Durst.

Durstige soll man nicht aufhalten. Danke an Tom für das nette Interview und sein engagiertes Projekt Trinkhalle!

2. Winter Beer Day in Hamburg erneut erfolgreich

Der 2. Winter Beer Day im Altes Mädchen in den Hamburger Schanzenhöfen war erneut ein voller Erfolg. Mehr als 2000 Besucher kamen, um sich die über 40 Winterbierkreationen der 12 ausstellenden Brauereien schmecken zu lassen.

„Auch heute hat man wieder gesehen, dass die Leute außergewöhnliche Bierkreationen annehmen und nach Möglichkeiten suchen, die Craft Beer Faszination noch intensiver kennen zu lernen“, sagte Patrick Rüther, Geschäftsführer des Alten Mädchen und fügte an: „Dass der Winter Beer Day für so viel Begeisterung sorgt, macht uns natürlich stolz und bestätigt uns die Craft Beer Bewegung in Norddeutschland über neue Veranstaltungen auszubauen.“

Das Team des Alten Mädchen wird in 2015 den Bock Beer Day am 25. April, die Craft Beer Days am 29. & 30. August und den Winter Beer Day am 21. November veranstalten.

Nette Aussichten!

Bierverkostung: Hanscraft & Co. Backbonesplitter West Coast IPA

Christian Hans Müller sorgte bereits mit seinem Bayerisch Nizza für Aufsehen und dies nicht nur wegen der hervorragenden Qualität des leichten Sonmerbieres, sondern auch wegen dem Streit mit den Anwälten des Bayerischen Brauerbundes um die Bezeichnung „Bayerisch“ (Kollege Felix vom Endt berichtete ausführlich auf seinem Blog).
Jetzt hat sich der Münchener Brauer mit dem Label Hanscraft & Co. eine Möglichkeit geschaffen, auch weniger traditionell deutsche bzw. bayerische Biere zu brauen: Hanscraft & Co. soll sich nämlich im Besonderen international inspirierten Bierspezialitäten widmen.

Den Anfang macht das West Coast IPA Backbonesplitter. Mit einer extrem guten Bewertung bei ratebeer.com versprach auch diese Kreation ganz großen Biergenuss und in der Tat wurden wir bei der Verkostung nicht enttäuscht!

Backbonesplitter West Coast IPA

Backbonesplitter West Coast IPA

Mit 60 IBU bei 6,6 %-Vol. Alkoholgehalt pendeln wir uns auf jeden Fall schon mal bei den gängigen Werten für (West Coast) IPAs ein. Im Glas entsteht beim Einschenken ein feiner Schaum der sich jedoch relativ rasch von dem satt bernsteinfarbenen Bier verflüchtigt. Auch in der Nase festigt sich das Bild eines sehr guten, typischen IPAs mit einer Mischung von Zitrus und exotischen Früchten und ich meine sogar einen Hauch Banane vernommen zu haben. Geschmacklich entfaltet sich die quad-hopped Hopfenbombe dann richtig: Horizon, Amarillo, Centennial und Simcoe sorgen für ordentlich Herbe und ein erfrischendes Aroma (die Eindrücke vom Duft machen sich hier wieder bemerkbar). Es bleibt außerdem ein dezentes Malzaroma mit angenehmer leichter Süße, die den Hopfen gut auffängt.
Ein hervorragender Einstieg in das klassische IPA Segment und ein sehr gutes Bier wie man es so in Deutschland nur von einer handvoll Brauern kennt. Unbedingt probieren (zum Beispiel bei „Die Currywurst“ in Wanne-Eickel erhältlich)!

Bierverkostung – Craftwerk Skipping Stone Summer Ale

Als hätten die Jungs und Mädels von Craftwerk es geahnt: rechtzeitig zu den hochsommerlichen Temperaturen erreichte uns ein Probierpaket mit dem neuen Skipping Stone Summer Ale. Kann das leicht Sommerbier den guten Start der Marke weitertragen?

Ein gutes Jahr hatte Bitburger nun Zeit, sich auf dem auch in Deutschland immer größer werdenden Craft-Beer Markt zu behaupten. Nach der anfänglichen Skepsis über den gewagten Schritt kann man jedoch mittlerweile mit gutem Gewissen sagen: ja, das ist gutes Craft-Beer geworden! Im vergangenen Jahr überzeugte uns das Start-Lineup mit 3 recht unterschiedlichen Bieren (zum Verkostungsbericht geht’s hier) vom Potential der Marke. Heute kam das Skipping Stone Summer Ale ins Glas.

Goldgelb mit einer feinporigen, stabilen Schaumkrone macht das Ale im Glas eine gute Figur. In der Nase erwarten uns erwartungsgemäß die typischen Aromen von Mango, Südfrüchten und Zitrusfrüchten. Das erfrischt schon herrlich bei knappen 30° C Außentemperatur.

Bei der empfohlenen Trinktemperatur von 10-13° C entfaltet sich im Mund ein ähnlicher, tropischer Fruchtkorb mit sehr angenehmer Hopfenbittere (verwendet wurden hier die Sorten Hersbrucker Spät, Hallertauer Mittelfrüh, Nordbrauer und Brewers Gold, IBU 40) die nachhaltig erfrischt. Dass die empfohlenen Trinktemperaturen nicht nur eine nette Info am Rande sind zeigte sich bei unserer zweiten Testflasche, die wir etwas zu stark gekühlt verkosteten (geschätzt bei 5-8° C), wodurch ein Großteil der Geschmacksnuancen verloren ging.

Nicht nur geschmacklich eignet sich die Craftwerk-Kreation bestens für heiße Sommertage: mit einem Alkoholgehalt von schlanken 4,8 %-Vol. kann man davon auch mal mehr als eine Flasche trinken.

Der einzige Wermutstropfen ist leider immer noch, dass sich die Craftwerk-Bräus in keinem Supermarkt oder Getränkehandel neben den üblichen Fernsehbieren finden, sondern immer noch ausschließlich über den Onlineshop bezogen werden können.

Mit den 4 Produkten hätte sich Craftwerk nämlich auf jeden Fall eine sehr solide Basis geschaffen und müsste die Konkurrenz im Laden nicht fürchten! Wir freuen uns schon auf die (hoffentlich geplanten) Winterbiere!