Nicola Neumann im Interview

Bereits seit 2013 etabliert Nicola Neumann bereits die Weininseln mit den Zielen, viele Menschen in Weinfachhandlungen zu holen, Schwellenängste abzubauen und Weinerlebnisse zu bieten, die inspirieren und im Gedächtnis bleiben. Ähnliche Intentionen verfolgt Sie nun auch mit den im Juli diesen Jahres erstmals in Hamburg, Berlin und München zelebrierten Bierinseln.
Über die Ursprünge und die Zukunft der Bierinseln gibt sie im folgenden einen kleinen Einblick.

1920504_10152848917001796_3043886193629179734_n

image003

Du kommst ja aus der Weinwelt. Wie kam es dazu, dass du dich vermehrt für Bier interessiert hast und nun die Bierinseln organisierst?
Bier war vor den Bierinseln für mich gar kein Thema. Ich kannte nur die Standard Biere und fand das alles nicht sehr aufregend. So entsteht die typische Haltung, die viele haben: „Ich bin kein Biertrinker.“
Nachdem die Weininseln – dasselbe Konzept für Wein – schon zwei Jahre gut lief, habe ich 2014, zusammen mit dem Biersommelier Holger Hahn aus Neugier die Bierinseln gestartet. Das war ein großartiger Erfolg und so bin ich in zwei weitere Städte gegangen dieses Jahr: Hamburg und Berlin. Und seit dem brenne ich richtig für Craft Bier, ich finde es extrem spannend und möchte mich gerne intensiv auch in Zukunft damit beschäftigen.

Kurz und prägnant: Was unterscheidet aus der Sicht einer Feinkost-Expertin Bier und Wein?
Wein und Bier – beide Parteien können sehr viel voneinander lernen: Im Bierbereich sind Verkostungen nicht üblich, nicht jeder Laden hat Verkostungsgläser und in vielen Getränkemärkten bekommt man in Bezug auf Bier noch wenig inspirierende Infos. Der Weinbereich dagegen ist hochprofessionell, aber manchmal auch gähnend langweilig, das ist mir erst seit den Bierinseln so richtig aufgefallen. Es fehlt Innovation an jeder Ecke, da kann man sich von den Impulsen der aktuellen Bierbewegung viel abschauen. Die Erkenntnisse aus beiden Bereichen helfen mir, neue Impulse auf der einen – wie auch auf der anderen Seite einzubringen.

Die Bierinseln haben nun in Hamburg, Berlin und München stattgefunden. Siehst du Expansionspotenzial?
Diese Veranstaltung müsste eigentlich in 5-6 Metropolen jedes Jahr stattfinden, so viel Freude bereitet sie. Auf der anderen Seite ist es extrem aufwändig zu organisieren und ohne Sponsoren ist eine weitere Expansion nicht möglich. Wir würden aber gerne mindestens 3 Events jedes Jahr machen und sind sehr zuversichtlich, dass wir dafür auch die geeigneten Förderer an Bord holen können.

Wo soll es denn hingehen? Hältst du das Ruhrgebiet für geeignet?
Ich hätte große Lust die Bierinseln in einer Stadt zu machen, wo sonst nicht so viele Craft Bier Events sind. Ich denke, dass dann die Freude darauf umso größer ist und auch das Engagement der einzelnen Teilnehmer umso stärker. Davon lebt unser Konzept, dass alle mitziehen, sich ein spannendes Programm einfallen lassen und am Event Tag eine tolle Performance abliefern.

Wie beurteilst du die Möglichkeiten der Vernetzung bei diesen Events? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man zu vielen Veranstaltungen eingeladen wird und auch gern hinfahren würde, aber mangels organisatorischer bzw. finanzieller Mittel klappt das meist nicht. Bleiben die Bierinseln deswegen überwiegend regional?
Ich finde die Bierinseln überhaupt nicht regional. Wir waren in München, Hamburg und Berlin und in allen Städten zusammen hatten wir sicher 40 Gastbrauer auf die Inseln verteilt aus Deutschland, Österreich, Italien sogar USA. Insgesamt haben mehr als 90 Protagonisten der Craft Bier Szene in Deutschland mitgewirkt. Ein großer Teil der Besucher ist englischsprachig, viele Expats kommen, viele Gäste sind aus ganz Deutschland zu den Inseln angereist, manche haben sogar alle drei Events nach einander besucht. Deswegen haben wir es ja auch so genannt: Deutschlands größter Craft Beer Crawl. Viele neue Partnerschaften kommen zustande, da die Inseln das Bier der Gastbrauer anschließend gerne im Sortiment aufnehmen. Viele Teilnehmer haben betont, dass durch die Bierinseln der Zusammenhalt gefördert wurde. Bereits im Vorfeld tauschte man sich aus und auf der Abschlussparty kamen oft zum ersten Mal alle Protagnisten einer Stadt zusammen. Das schafft auch diese ganz besondere Atmosphäre.

Du beobachtest die Szene schon eine Weile. Wie lange glaubst du, dass die Craft-Bier-Bewegung in Deutschland wächst? Gibt es wirklich Anlass zur Sorge – wie einige behaupten – dass wir hier einem Bubble-Tea-Phänomen gegenüberstehen und alles in ein paar Jahren wieder vorbei ist?
Ich weiß nicht, ob wir auch 10% erreichen, wie in den USA, aber insgesamt geht die Bewegung zu mehr Individualität und „Wissen woher’s kommt“. Das hilft dem Thema Craft Bier und weil es wirklich tolle, hochwertige Produkte sind, wird das keine Blase sein. Wenn man einmal auf den Geschmack gekommen ist, ist der Weg wieder zurück zu Einheitsprodukten sehr schwer und auch unnötig. Und dieser wilde Spaß und Entrepreneurs-Geist, der durch die Szene weht, wird uns noch eine ganze Zeit lang inspirieren und nicht so schnell abebben. Gute Produkte werden am Ende bleiben, nicht alle, aber eine ganze Menge.

Was ist eigentlich dein Lieblingsbier?
Das ändert sich natürlich ständig, aber eine tolle Neuentdeckung der letzten Zeit war zum Beispiel der Doppelbock vom elbPaul. Überhaupt mag ich sehr gerne dunklere, wärmere, gehaltvollere Bier wie z.B. das Baltic Porter von Buddelship oder Holy Cowl von Craftwerk.

Vielen Dank an Nicola für die interessanten Einblicke!

 

Advertisements

Craft mal anders – die Pilsner Urquell Werkstatt

Craft – das weiß der geneigte Bierfreund – bedeutet soviel wie Handwerk oder handwerklich hergestellt. Was also liegt näher, als Bier und Handwerk zusammen zu bringen dachte sich auch Pilsner Urquell und eröffnet vom 05.06.-13.06.2015 in der Hauptstadt die Pilsner Urquell Werkstatt.

Das breitgefächerte Workshop-Programm reicht von kulinarischen Berufen wie dem Bäckerhandwerk, Kaffeeröster und natürlich dem Brauer über eher künstlerische Professionen wie Zimmermännern und Sattlern oder auch Messerschleifern. Sehr interessant liest sich auch die Möglichkeit, beim Tätowierworkshop einmal selbst Hand an die Nadel legen zu können. Begleitet wird das Programm von diversen Musik-Acts und für das leibliche Wohl außerhalb der Workshops sorgt ein ausgewähltes Angebot an Street-Food Spezialitäten.

Leider ist der Trip nach Berlin abermals aus dem Ruhrgebiet etwas weit und so können wir bedauerlicherweise keine persönlichen Eindrücke liefern. Weitere Informationen findet Ihr aber in der folgenden Pressemitteilung:

Handwerkskunst und von Hand hergestellte Produkte sind die Helden der Pilsner Urquell Werkstatt. Ab dem 5. bis 13. Juni dreht sich alles um die Kunst mit den eigenen Händen Dinge herzustellen und zu gestalten. Pilsner Urquell stellt an 7 Tagen insgesamt über 10 Handwerker in der Werkstatt vor, die Ihre Handwerkskünste präsentieren und Einblicke in die Arbeitswelt ihres Berufes geben. Vom Bäcker bis zum Metzgermeister, vom Tischler bis zum Messerschmied – die Pilsner Urquell Werkstatt ist der Platz an dem Handwerkskunst auf Braukunst trifft.

Der Genuss steht beim Bäckermeister Wiese, den Käsern von Peppikäse und den Kaffeeröstern von Pro Macchina im Focus. Ergänzt werden diese Berliner Unternehmen von Metzgermeister Peter Inhoven aus Düsseldorf. Alle vier Handwerker werden vor Ort Köstlichkeiten herstellen und die Gäste dabei teilhaben lassen. So kann man mit Metzgermeister Inhoven beim Workshop selbst die Wurst herstellen, um sie danach, heiß vom Grill, mit einem frisch gezapften Pilsner Urquell zu genießen – denn Selbstgemachtes schmeckt immer noch am besten. Auch bei Bäcker Wiese steht die Arbeit vor dem Genuss. Die Besucher sind aufgefordert ihm beim Vermengen der regionalen Zutaten und beim Kneten des Teigs zu helfen, umdaraus ofenfrisches Brot zu backen. Bei den Kaffeeprofis von Pro Macchina gibt es Informationen rund um die Kaffeebohne und die verschiedenen Röstungen und der Käser von Peppikäse klärt die Gäste über den Produktionsablauf beim Herstellen von Käse auf und zeigt wie spannend dieser Beruf ist.

Weniger kulinarisch jedoch genauso manuell und handwerklich geht es bei Otter Messer, Phototypen und Ondura ans Werk. Sie arbeiten mit den traditionellen Materialien Leder, Metall und Holz und lassen daraus individuelle Kleinode entstehen. Leens Jan Ondras ist Sattler, Zimmermann und hat auch zwei Jahre Modedesign studiert. Sein Wissen und das handwerkliche Können aus diesen Berufen verbindet er bei seinem Unternehmen Ondura, wo er aus Rindsleder langlebige Lederaccessoires herstellt. Welche Fertigkeiten dabei gefragt sind und wie die Produktion vor sich geht erklärt er in der Werkstatt. Ganz traditionell stellen die Messerschleifer von Otter Messer ihre Klingen her und schärfen diese noch wie bei der Firmengründung um 1840 in der wasserbetriebenen Schleiferei, was sie in Berlin ebenfalls live zeigen werden. Die Phototypen aus Berlin verbinden Tradition und Moderne in dem sie digitale Bilder auf Metall, Holz oder Glas bringen. Wie das geht, und wie sich diese Handwerkskunst auch Zuhause ausüben lässt zeigen sie unter anderem auch in einem Workshop. Weitere Handwerker in der Werkstatt sind die Upcycler von Schwarzwald Guerilla, ein Graveur oder ein Schuster.

An und unter die Haut geht es bei der Tätowiererin Ina Kottek, den Barbieren von Beardy Boys und beim Team von Tru Organic mit ihren handgemachten Kosmetikprodukten. Vor Ort stellen sie Ihre Produkte vor, zeigen wie eine perfekte Rasur gemacht wird und Ina Kottek lässt die Teilnehmer am Workshop selbst die Tätowiernadel in die Hand nehmen.

Beim Brauworkshop in Berlin wird Pilsner Urquell gebraut, wie beim Original aus Saarzer Aromahopfen und Pilsner Malz, was sonst nur in der Brauerei in Pilsen passiert. Der Braumeister entführt die Besucher in die Welt der Pilsner Urquell Brauerei und sie erfahren aus erster Hand, was seit über 170 Jahren die Voraussetzungen sind um Pilsner Urquell zu brauen und wie die Braumeister in Pilsen arbeiten. Sollten die Tickets für den Brauworkshop vergriffen sein, steht den Gästen die Do-it-yourself-Bar zur Verfügung, wo sie vom Beermaster in die Kunst des Bierzapfens eingewiesen und über die verschiedenen Zapfstile Mliko, Hladinka und Na Dvakrát informiert werden. Oder sie genießen einfach nur ein unpasteurisiertes Pilsner Urquell an der Tankbierbar. Das Highlight der Zapfkunst wird sicher der tägliche Fassanstich des unfiltrierten, unpasteurisierten Pilsner Urquell aus dem handgefertigten Holzfass, wobei sich der Beermaster täglich von einem Assistenten aus dem Publikum helfen lassen wird.

Verkostungsnotiz – Heidenpeters IPA German Style

Es ist schon faszinierend zu sehen, wie Johannes Heidenpeter von einem studierten Künstler mit Abschluss an der Berliner Kunsthochschule zu einem der angesagtesten Craft-Brauer in der Hauptstadt, wenn nicht sogar ganz Deutschland avanciert. Sein kleiner Taproom in der Markthalle 9 in Berlin boomt und über seine Biere hört man nur positives. Dank Kollege Felix vom Endt von Lieblingsbier.de haben wir nun (noch vor dem Festivial der Bierkulturen in Köln Ende Mai) die Gelegenheit, eine kleine Auswahl zu probieren. Den Anfang mach das IPA German Style.
Orange-golden fließt das Bier aus der Flasche mit dem minimalistisch-schick designten (neuen) Etikett ins Glas und bildet sogleich einen relativ langlebigen und feinen Schaum aus. Die Nase erfüllen wie erwartet fruchtige Noten. Mir als erstes aufgefallen ist dabei aber eine leichte beerige Komponente, abseits der sonst erwarteten tropischen Früchte. 

Im Antrunk fehlt mir ein wenig mehr Komplexität. Entweder spielt mir der Heuschnupfen doch übler mit als gedacht oder aber das Bier ist geschmacklich doch eher flach gehalten? Jedenfalls dominiert die angenehme Hopfenbittere vor der Fruchtigkeit relativ deutlich. Im Vergleich zu den letztlich doch recht stark karbonisierten IPAs von Ale-Mania ist der Heidenpeters-Sud was CO2 angeht sehr zurückhaltend, was aber der Trinkbarkeit sehr zu gute kommt.

Der Nachtrunk bleibt ebenfalls dominiert durch den starken Hopfen. Zusammengenommen sicherlich ein gutes 3.5/5 Punkte-Bier, jedoch zu meiner deutschen Referenz dem Backbonesplitter von Hanscraft & Co. etwas blass.