Willinger Brauhaus – Ein Besuch

Seit vielen Jahren schon macht sich meine Familie regelmäßig auf ins Wintersportparadies Willingen (Upland) im Sauerland. Meistens jedoch im Sommer, um ausgiebig spazieren zu gehen und die frische Luft abseits des Großstadtstresses zu genießen.

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Malty Christmas and a Hoppy New Year! Unser Jahresrückblick

Ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende – sowohl im persönlichen Umfeld als auch in der nationalen und internationalen Bierlandschaft hat sich einiges getan. Hier ein kurzer Rückblick unserer Themen des Jahres:

Braukunst Live 2014
Das erste Highlight des Jahres war für uns eine Premiere. Zum ersten Mal fuhren wir den weiten Weg nach München. Auch wenn einiges vor Ort nicht ganz optimal organisiert war, hat sich der Weg doch gelohnt. Nebenbei haben wir auch direkt das Taphouse Munich abgecheckt.

Ratsherrn stellt neue Micro Brewery vor
Kaum aus München zurück ging’s schon wieder auf nach Hamburg zu den Jungs und Mädels von Ratsherrn. Die schöne Vorstellung der Micro Brewery unter Leitung von Ian Pyle hat uns gut gefallen und auch der Sud in Zusammenarbeit mit Maisel’s war super!

BrewDog Bar London Shoreditch
Die Reiselust nimmt kein Ende: Max machte bei seinem London-Trip natürlich einen Abstecher zur BrewDog Bar.

Skipping Stone Summer Ale von Craftwerk
Pünktlich zum Start des Sommers durften wir uns über Leckeres von den Bitburger Craftwerkern freuen.

Backbonesplitter West Coast IPA von Hanscraft & Co.
Nach dem erfolgreichen Rechtsstreit um sein Bayerisch Nizza haut Hans Christian Müller die Bombe raus: Sein West Coast IPA wird auf Ratebeer.com nicht ohne Grund mit 96(!) Punkten geführt.

Finest Spirits & Beer in Bochum
Nach der BKL das zweite absolute Highlight dieses Jahres: Frank Böer exportiert die BKL und die Finest Spirits ins Ruhrgebiet. Leider aufgrund geringer Besucherzahlen zum Start nicht ganz so erfolgreich wie erhofft. Aber der Termin für’s nächste Jahr ist bereits gebucht!

Trinkhalle Ruhrgebeat
Endlich hat Bochum seine eigene Craft-Bier-Bar! Tom Gawlig kommt mit seinem minimalistisch eingerichteten Laden gut an und etabliert sich in kürzester Zeit als DIE Adresse für Bierliebhaber in Bochum. Hier gibt er außerdem ein wenig mehr Hintergrundinformationen im Interview preis.

Holy Cowl Barrel Aged Limited Edition von Craftwerk
Auch zum Jahresende hat Craftwerk was feines gezaubert!

Darüberhinaus ist natürlich noch viel, viel mehr in der Szene passiert und unser kleiner Überblick bezieht sich nur auf unser Blog und unsere Erfahrungen. Wir freuen uns sehr, dass unsere Leser dieses Jahr so neugierig auf unsere Beiträge waren und hoffen auch für das nächste Jahr wieder auf reges Interesse.
Uns bleibt an dieser Stelle Euch allen da draußen noch ein Malty Christmas and a Hoppy New Year zu wünschen!

Daniel und Max

Trinkhalle Ruhrgebeat: Das Interview

Die Trinkhalle Ruhrgebeat ist schnell zu einem Kulthort der neuen Bierkultur geworden. Am 3.12. fand dort das zweite Treffen der Bierakademie statt. Grund genug für uns, den Gastgeber und Inhaber der Trinkhalle Tom Gawlig mit ein paar Fragen zu löchern. Trinkhalle – Das Interview. Und zwar absolut uncut.

Frage:
Hi Tom! Schön, dass du kurz vor der Bierakademie noch Zeit für ein paar Fragen hast.
Was hat dich dazu bewogen, ausgerechnet im Ruhrgebiet ausgefallene Biere abseits des Mainstreams anzubieten? Meinst du, die Menschen sind bereit, sich vom klassischen Pils auf Neuland zu wagen?

Antwort:
Der Pott ist meine Heimat. und damit meine ich noch mehr die Haltung, den Spirit, als den RVR.
Das gleiche Ding hätte man auch in Duisburg oder Dortmund aufziehen können. Wahrscheinlich sogar in Dorsten oder Hagen. Keinesfalls jedoch in Berlin oder München. Da musst Du ganz andere Summen bewegen und dann noch hoffen, dass sie deinen Designer-Craft-Beer-Hotspot möglichst schnell im Loneley Planet erwähnen.

Biermäßig ist das Ruhrgebiet ja traditionell ganz vorne mit dabei. Quantitativ sowieso, aber auch der Qualitätsstandard, den Stauder, Fiege und Vormann seit weit über einem Jahrhundert halten, ist aller Ehren wert. Man könnte heute sicher noch ein paar stolze Marken mehr nennen wenn es der Werbeindustrie in den 80ern nicht gelungen wäre, den Leuten diesen Felsquellwasser-Premium-Pils-Humbug einzutrichtern.
Im Gegensatz zu damals müssen die Leute heute nicht überredet werden. Man ist so gelangweilt von der Sportschauplörre, dass jedes handwerklich gelungene Bier beinahe ein Selbstläufer ist.

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Der rustikale und gemütliche Innenraum der Trinkhalle Quelle: Facebookseite Trinkhalle ruhrgebeat.

 

Frage:
Wie schätzt du die aktuelle Entwicklung der Bierkultur hierzulande ein?
Wo geht die Reise hin?

Antwort:
Da hab ich zwar viel drüber gelesen, bin aber noch zu neu auf diesem Kontinent um umfassend und fundiert Stellung nehmen zu wollen.
Sicher ist jedoch, dass (in Deutschland reichlich spät) eine Bewegung in Gang geraten ist, die uns allen bessere Biere beschert hat und unumkehrbar bescheren wird.
Bleibt zu hoffen, dass nicht der ganze Rahm von Konzernprodukten wie Braufactum (Radeberger) oder Craftwerk (Bitburger) abgeschöpft wird. Biertrinken ist immer auch eine (lokal-)politische Entscheidung!

Frage:
Erzähle über die Trinkhalle? Was genau ist das Konzept?

Antwort:
Die Trinkhalle ist ein organisch wachsendes Ruhrgebietskioskprojekt. Die ausgewählten Produkte werden nach strengen geschmacklichen, ökologischen, regionalen sowie politischen Gesichtspunkten ausgewählt. Alles soll schlicht und gut und am Liebsten von hier sein!

Frage:
Ich hör immer „Kortländer Kiez“. Was kannst du darüber erzählen?

Antwort:
Unter dem Schlagwort versammeln sich seit einiger Zeit ganz unterschiedliche Leute, denen ihre Nachbarschaft rund um die ehemalige Kneipe „Kortländer“ am Herzen liegt.

Als ich vor ein paar Jahren nach Bochum kam, war mit den kurdischen und türkischen Clubs, Goldkante und Ebstein recht viel Leben im Quartier. Leider hat zwischenzeitlich – nicht immer ganz ohne eigenes Verschulden der Betreiber – alles dichtgemacht.
Seit ein paar Monaten geht’s jetzt fundamental in eine etwas hoffnungsvollere Zukunft für den Kiez. Dabei ist es ganz wichtig, alle mitzunehmen. So mag es wohl augenfällig sein, dass es hier das beste Bier, das beste Eis (im Kugelpudel), die beste Antipasti gibt. Aber das Tonstudio von Rang, der herausragende türkische Bäcker oder die sehr besonderen Wasserpfeifen sind noch nicht jedem geläufig.
Wir wollen hier die Weiterentwicklung eines multikulturellen und wahrhaft alternativen Mikrokosmos betreiben, handgemacht aber frei von Schischi und Pipapo.
Von öffentlichen Stellen erwarten wir dabei nicht mehr, als dass sie uns möglichst wenig in die Quere kommen.

Frage:
Erzähl doch mal was über die Idee zur Bierakademie!
Bist du überzeugt von den ersten beiden Ausgaben?

Antwort:
Die Bierakademie soll Wissen über Bier verbreiten. In ihrer Startphase ist es erstmal wichtig, Netzwerke zu knüpfen. Es sollen Leute zusammen kommen, die irgendwie mit besonderen Bieren zu tun haben. Wir hatten bislang Braumeister, Bierbrauer, Bierblogger, diverse Gastronomen sowie eine Reihe sehr interessierter Biertrinker da. Die Szene ist klein, aber sympathisch und der Feind ist medienmächtig. Ohne genau zu wissen, wo die akademische Reise hingeht, wird es der Bierbewegung nützen, wenn man sich austauscht. Auch dieses Gespräch legt davon Zeugnis ab.

Frage:
Was ist deine Lieblingsbiersorte? Deine Lieblingsbiere?

Antwort:
Geschmack ist immer Bildung – ist nie statisch. Bei der neuen Biervielfalt geht es immer auch darum, Geschmack zu verorten. Auch ein Bier, welches nie mein Lieblingsbier werden kann, hilft mir dabei, mein Geschmacksempfinden zu schulen. So wenig wie der erste Single-Malt-Whisky wird mir wahrscheinlich das krasseste XXX-IPA zunächst schmecken. Aber gut möglich, dass einem geschulten Gaumen nix zu torfig/hopfig sein kann.
Aber ich will gar nicht ausweichen. Die sauren belgischen Biere haben es mir besonders angetan. Für ein Kriek von De Ranke würde ich nicht nur im Sommer alles stehen lassen.
Nicht unerwähnt bleiben darf aber auch das IPA vom brauprojekt 777: das ist einfach total sympathisch – das Bier und das Projekt.
Wenn ich mir allerdings vornehme, eine ganze Kiste zu trinken, dann würde ich sie gerne mit Vormanns Vorder starten und mit Alt und Doppelbock vollenden!
Getz kriegich aber Durst.

Durstige soll man nicht aufhalten. Danke an Tom für das nette Interview und sein engagiertes Projekt Trinkhalle!

Ich geh Trinkhalle! Ein Abend in Bochum.

Tom Gawlig lädt ab sofort an jedem ersten Mittwoch im Monat zur Bierakademie in seiner „Trinkhalle Ruhrgebiet“ – das Gründungstreffen war ein voller Erfolg!

Noch nicht einmal 2 Monate ist Tom’s Baby nun alt und doch hat er es bereits jetzt geschafft, den Bochumern Durst auf Bier abseits des Massenmarktes zu machen. In seiner sympatisch minimalistisch eingerichteten Trinkhalle (direkt am aufstrebenden „Kortländer Kiez“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kugeldpudel, Blondies und Co.) nimmt man Platz auf (zugegeben nicht ganz so bequemen) Sitzgelegenheiten aus Europaletten, die auch schon einen Großteil der gesamten Einrichtung (wenn man mal von der Tischtennisplatte und dem Kicker im Nebenraum absehen möchte) ausmachen.

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Daniel beim Aufwärmen

Aber das ist gut so, denn so kommen die 4 randvoll mit lokalen und einigen internationalen Bierspezialitäten gefüllten Kühlschränke, die frei im Gastraum stehen und an denen Selbstbedienung das Motto ist, hervorragend zur Geltung.

„Mein Traum war es immer, ’ne richtig typische Ruhrgebietstrinkhalle mit allem, was man da so kaufen kann, aufzumachen.“ erzählt Tom von seiner Motivation. Deswegen gibt’s in der Trinkhalle auch nicht nur Getränke, sondern diverse Kleinigkeiten wie Süßes, Salziges und typisch kneipiges wie Soleier (im Großen Glas auf der Theke) und Frikadellen.

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Die Truppe der Gründungsversammlung der Bierakademie

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Braumeister und Dozent des Abends Gerd Rühmann mit einem kühlen blonden in der Faust

Der geneigte Leser wird sich aber sicherlich denken können, dass wir nicht wegen den essbaren Leckerchen dort waren. Nein, uns hat besonders Tom’s Aufruf zur Gründung der „Bierakademie“ gelockt und so fanden wir uns (zur geschlossenen Gesellschaft) mit einer Handvoll weiterer Interessierter ein, um uns von Braumeister Gerd von der Lindenbrauerei in herrlich lockerer und humorvoller Art Wissenswertes zu den Bieren und etliche Anekdoten zum Thema Bier und Brauen vortragen zu lassen. Im Verlauf des Abends wurden sechs verschiedene Biere verkostet: Augustiner Edelstoff,  das klassische Moritz Fiege PilsKuchlbauer Turmweisse, Grimbergen Dubbel, das eigenwillige Pumpernickel Porter vom Gruthaus und zum Abschluss das Doppel Bock von Vormann aus Hagen, der nächsten Privatbrauerei ganz in der Nähe. Gereicht wurden dazu Soleier und von Gerd selbstgebackenes Treberbrot mit Schmalz. Die Geschmacksneutralisation zwischen den Bieren fand nicht etwa mit langweiligem Wasser statt: Für den Schluck zwischendurch und den Durst hatte Gerd die Eigenkreation „Kortländer Gold“ im Gepäck, ein herrlich leichtes und erfrischendes Tröpfchen mit hohem Huch-schon-leer-Faktor.

Man darf Tom wirklich Glück und weiteren Erfolg für die Zukunft der Trinkhalle wünschen, denn in einer Zeit, in der immer mehr Vereinheitlichung und Systemgastronomie individuelle Ideen verdrängt, braucht es Projekte wie dieses, um mal wieder vor Augen zu führen, wie schön doch Bodenständigkeit sein kann! Einen kleinen Ausblick gab Tom dann noch „Keine Angst, es werden noch weitere Biere ins Sortiment aufgenommen und das ein oder andere Speziellere wird sicherlich auch dabei sein.“.

Wir freuen uns sehr über diesen ersten Biertempel in Bochum, der uns endlich eine neue, eine erfrischende, eine offene Bierkultur mit all ihrer Vielfalt eröffnet. Hier bei uns zu Hause.

Trinkhalle Ruhrgebiet
Herner Str. 8, 44787 Bochum
Donnerstag bis Samstag
17:00 bis 22:00 Uhr

BrewDog Bar London Shoreditch – Mekka für Craft-Beer-Fans?

Als meine mir Angetraute mir am heiligen Abend ein kleines Paket überreichte, in dem sich ein Buch namens „1000 things to do in London for under £10“ befand, wusste ich gleich: Das kommende Jahr wird legendär. Wir würden nach England fahren, ins Land der Ales, des IPA, der Fish&Chips, des richtigen Englisch, der…Moment. Gibt es dort, in der Hauptstadt des britischen Königreiches, seit einiger Zeit ebenfalls Vertretungen von Brewdog? EXAAAAAACTLY! Weiterlesen

Tap House Munich – Craft Beer Bar in der bayrischen Hauptstadt

Als wir Ende Februar anlässlich der Braukunst Live! in München waren, konnten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, dem erst im November vergangenen Jahres eröffneten Tap House Munich einen Besuch abzustatten.

Schon von der ungeheuren Biervielfalt der Messe beeindruckt machen wir uns also auf zur vermutlich „längsten Theke“ Münchens in der Rosenheimer Straße, Ecke Orleansstraße. Wenn man nicht weiß, dass man sich in unmittelbarer Nähe des Tap House befindet, könnte man aufgrund relativ dezenter Außenwerbung fast schon an der Lokalität vorbeilaufen. Am Samstag Abend gegen 21 Uhr war es leider (oder für die Betreiber von Camba Bavaria zum Glück) schon sehr voll, so dass an einen Platz an der Theke nicht zu denken war. Da die Münchener aber in unserer Erfahrung ein sehr geselliges Völkchen sind, fanden wir fix noch Platz mit anderen Bierbegeisterten an einem Tisch.

Was der Bar an Aussenwirkung fehlt macht sie im Innendesign jedoch rasch wieder wett:
Blickfang ist sicherlich die eingangs erwähnte Theke, über der auch die 40 Tap-Biere angeschlagen sind. Ansonsten finden sich rustikale Holzbalken und unverputzte Backsteine.

Der erste, doch ziemlich euphorische, Eindruck wurde bereits vom äußerst verzögert bei uns eintreffenden Kellner getrübt:
laut Information der Servierkraft könne es ca. 30 Minuten dauern, bis wir unsere erste Bestellung bekämen. Und tatsächlich brauchte das frisch gezapfte Bier knappe 20 Minuten, um den Weg zu unserem Tisch zu finden. Preislich siedelten sich selbst die Camba-Biere vom Fass im eher höheren Niveau an (0,3 ab 3,50 €), auch wenn die Biere natürlich hochqualitativ sind und sich keineswegs mit dem Standard-Pils aus der Bahnhofsspelunke vergleichen lassen. Die kleine aber sehr passende Speisenkarte war dagegen auffällig günstig. Unser Highlight war das Bier-Chili mit frischem Brot für sagenhafte € 4,90. Für die Größe der Portion und die Qualität wirklich günstig!

Trotz der Kritik aufgrund der langen Wartezeit – vermutlich der gleichzeitig stattfindenden Braukunst Live! und den bierdurstigen Besuchern des Camba-Standes geschuldet – ist das Tap House für Reisende wie Einheimische ein absolutes Muss, wenn man traditionelle Münchener Bierkultur mit außergewöhnlichen neuen Geschmäckern kombinieren möchte.