Bierfest Münster – revisited

Am vergangenen Wochenende fand auf dem Schlossplatz in Münster das erste Bierfest statt. Allerhand Brauereien und Händler waren vertreten und nicht nur Veranstalter Michael Solms sorgte mit seinen eigenen Ständen für eine ordentliche Ladung Craft-Bier. Wir haben uns das Spektakel am Samstag Abend aus der Nähe angesehen.

Samstag, 30. Mai 2015, 17 Uhr. Münster Hauptbahnhof. Die Welt geht unter. Einen solchen Regen- und Hagelsturm habe ich lange nicht gesehen. Der Zug, der eine Minute am Gleis hält, bricht fast unter dem Druck der Wassermassen zusammen. Was beim Anfahren vom Dach schwappt, erinnert mich an ein Wellenbad. Die Veranstaltung ist im Teich, denke ich.

Fünf Minuten später scheint die Sonne wieder. Wir machen uns auf den Weg durch die Stadt zum Schlossplatz, wo zwar das Festgelände unter Wasser steht, augenscheinlich aber niemand die Fluten zum Anlass genommen hat, wieder nach Hause zu gehen. Es rummelt ordentlich. Darauf erstmal ein Bierchen!


 Unter den vertretenen Bieren finden sich selbstredend jede Menge bekannter Sude auch der großen Industriebrauereien wie beispielsweise Mönchshof, Kapuziner, Veltins (vertreten mit dem Grevensteiner Landbier), Heineken oder Foster’s. Als Fan regionaler und überregionaler Craft-Biere ist habe ich andere Interessen, die Industriestände aufzusuchen oder eben jenes bleiben zu lassen, ist jedem freigestellt. An der Stelle meine erste Meinungsäußerung: Ich habe in Facebook-Posts zum Thema Unmut über die Beteiligung der Industrie an dieser Veranstaltung gelesen. Ich glaube selbst aber nicht, dass ein solches Fest – zumal nicht explizit als Craft-Bier-Fest deklariert – ohne die Unterstützung der großen Brauereien möglich wäre. Tatsächlich handelt es sich hier um ein Event, das dazu beitragen kann, den Otto-Normal-Biertrinker an neue Sorten heranzuführen. In meinen Augen ist das Konzept dementsprechend genau richtig.

Dieses vorangestellt, muss auch festgehalten werden, dass auch für den eingefleischten Craft-Beer-Fan einiges geboten wurde. Von Beer Here aus Dänemark zum Beispiel gab es gleich vier verschiedene leckere Tropfen, die mir zuvor noch nicht untergekommen waren. Am BrewDog-Stand gab es nicht nur das allseits bekannte (und eher weniger für Einsteiger geeignete) Hardcore IPA, sondern auch das dunkle Libertine IPA. Und die Störtebeker-Brauerei aus Stralsund glänzte mit einem angenehm frischen Atlantik Ale vom Fass. Jenes Bier, welches bei uns im Laden im übrigen für viele Bierliebhaber der Einstieg in die Craft-Bier-Welt ist.

Aus der unmittelbaren Umgebung war Philipp Overberg vertreten, dessen Gruthaus-Biere aus der Münsteraner Innenstadt natürlich nicht hätten fehlen dürfen. Er teilte sich einen Stand mit den Jungs vom Braukunstwerk, die seit kurzem nicht weit vom Geschehen einen Bierspezialitätenladen betreiben.


Ein paar Kilometer weiter, nämlich in Emsdetten, besteht seit einigen Jahren die Isendorfer Hausbrauerei, die neben einer erstklassigen Gastronomie ein hervorragendes Craft-Bier-Portfolio vorzuweisen hat. Mitinhaber und Biersommelier Dirk Dieckmann war selbst vor Ort, um Interessierten über die Kreationen der Brauerei zu erzählen.


Langer Rede kurzer Sinn: Auf dem Münsteraner Bierfest gab es einiges zu sehen und noch viel mehr zu probieren. Auch, wenn die Glas- und Sanitärlogistik (wie übrigens fast immer bei derartigen Veranstaltungen) noch deutlich optimierungsfähig ist, kann eine solche Bierbörse, die einen großen Prozentsatz an Craft-Bier aufzuweisen hat, nur gut für die Entwicklung unserer Bierkultur sein. Denn, und das sei hier ganz unprominent am Ende erwähnt: Auch die regionale Hobbybrauerszene konnte sich am Wochenende mit einem eigenen Stand dem Publikum präsentieren. Einige hatten sogar frisch gebraute eigene Biere dabei, die man mit ein bisschen Glück probieren konnte. Eine tolle Sache. Am Schluss wurden die Besucher mit einem tollen – wolkenfreien – Nachthimmel belohnt, der für dieses Foto zugegebenermaßen auf so übertriebene Art nachbearbeitet wurde, dass die Lausitzer Mühle glüht.

In diesem Sinne: Prost!

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2 Gedanken zu „Bierfest Münster – revisited

  1. Ich war am Freitag in Münster, habe das Festival als gestandener Craftbier-Freak aber eher enttäuscht verlassen. Bei einer Ausschankmenge von 0,3 l (im Gegensatz zu den auf echten Probierfestivals üblichen 0,1 l) hätte man eigentlich ganz gezielt nur die guten Sachen bestellen müssen. Ich teste lieber Neues und habe dabei leider ein paar Mal daneben gegriffen (ich sage nur Weizenbock und Zedern-IPA), konnte es bei den Preisen aber nicht übers Herz bringen, die teuren aber in der Menge dann doch nicht ganz so guten Biere wegzuschütten und hatte somit schneller als mir lieb war einen vollen Bauch.

    Längere Gespräche mit den wenigen anwesenden Brauern waren wegen des Andrangs an die Zapfhähne kaum möglich und die wenigen echten Craftbierstände hatten dann auch noch nicht mal echte Spezialitäten dabei (kein Camba Pale Ale oder Imperial Stout und gar nix Fassgelagertes von denen, kein Brew Dog Jack Hammer und selbst die Leute vom Braukunstwerk haben Ihr Mitgebrachtes wohl eher nach Marketing- als nach Geschmackskriterien ausgewählt).

    Ich war jedenfalls froh, einen Tag später noch nach Köln fahren zu können, um dort auf dem Fest der Bierkulturen echte Spezialitäten vorgesetzt zu bekommen (auch wenn es dort das in Münster offensichtlich am Donnerstag schon ausgetrunkene Miss California IPA von Freigeist ebenfalls nicht mehr gab).

  2. Schöner Bericht.
    Als Münsterländer hatte ich es nicht so weit nach Münster, sodass ich alle drei Tage über das Bierfest geschlendert bin.
    Dass so wenige Brauer mit ihrem eigenen Bier vor Ort waren, fand ich auch extrem schade. Aber die Brauer die vor Ort waren, hatten coole Sachen am Start. Natürlich darf in Münster das Gruthaus nicht fehlen. Das Pumpernickel Porter und das Überwasser Alt sind tolle regionale Spezialitäten und der Bockwurst Bock war am Samstag auch mit dabei.
    Von Cambar war immerhin das Ei Pi Ai da und noch einiges anderes. Man darf auch nicht immer alles erwarten, denke ich. Am Brewdog-Stand waren auch mehrere Sorten am Start, das fand ich auch ganz schön.
    Ich hatte Samstag auch den Brauer von Onkel Bier getroffen, der war beim Braukunstwerk. Sein Saison-Bier ist ein schöner Einsteiger in die Biersorte. Also mit dem Saison, dem Kölsch und dem dem Goldmedaillen-Gewinner-Pils von Schönramer (und beim World Beer Cup bewerten erfahrene Sommeliers und Brauingenieure die Biere – und wenn die dort sagen, dass das Bier hervorragend ist, dann glaube ich das auch, egal ob es mir schmeckt oder nicht) und dann noch vom Gruthaus die Sachen war der Gruthaus/Braukunstwerk-Stand mit der beste auf dem Festival wie ich finde.
    Auch daneben war es cool, da war nämlich ein echter Brauer aus Emsdetten, die haben auch eine Gastro mit allem drum und dran. Brauartium fand ich also auch gut.
    Dazu kam noch die Gose von Freigeist und das Manns Bräu, sodass ich am Ende der drei Tage eine gute Auswahl an schönen Bieren testen konnte.
    Man muss aber auch sagen, dass der „Craft Beer Freak“ vielleicht nicht vollends auf seine Kosten kam, weil auch San Miguel, Heineken und einige andere nicht wirklich für Craft Beer stehen. Was auch immer Craft Beer heißen mag. Eine Definition muss auch jeder für sich selbst finden.
    Aber es war nunmal auch kein Craft Beer Fest, sondern ein Bierfest. Und das war gut. Wäre das Wetter besser gewesen, wäre es sicherlich noch besser gewesen.

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