Was ist eigentlich ein Lambic?

Eine kleine Einführung in eine der in Deutschland weniger bekannten Biersorten.

Erfahrene Biertrinker und -liebhaber werden mit den verschiedenen Biergattungen sicherlich vertraut sein. Für alle, die gerade erst damit anfangen, die aufregende und vielfältige Welt der Biere zu entdecken, sind die vielen verschiedenen Begriffe aber manchmal ein wenig erdrückend.

Heue möchte ich Euch gerne als Auftakt zu einer kleinen Beitragsreihe als erstes die (belgischen) Lambics (oder auch Lambik bzw Lambiek) vorstellen.

Lambics – der Name leitet sich vermutlich entweder vom flämischen Ort Lembeek oder aber vom flämischen Wort für einen Brennkessel (dem ursprünglich wiederum arabischen) Alambic ab – sind auf mehrere Arten eine Besonderheit in der Bierwelt. Einerseits werden sie ausschließlich im belgischen Pajottenland nahe dem Fluss Senne hergestellt, was sie in meinen Augen ein wenig an Champagner erinnern lässt, welcher ja auch nur in der französischen Champagne hergestellt wird. Dieser Vergleich wird nochmals durch die edle Flasche mit Korken und Agraffe bestärkt, in die Lambics häufig abgefüllt werden:

Lambic von Oud Beersel

Lambic von Oud Beersel

Die zweite und meiner Meinung nach bedeutsamere Eigenart der Lambics findet sich im Brauverfahren, im speziellen im Gärprozess. Wo bei anderen Bieren der gekochten und abgekühlten Würze Hefe manuell hinzugefügt wird um die Gärung auszulösen, vertraut man bei Lambics ganz auf die natürlich in der Luft vorkommenden Hefen und setzt damit auf die Spontangärung.

Diese Art der Gärung ist so ziemlich die ursprünglichste und älteste Form und stammt noch aus der Zeit, als die Brauer sich noch nicht in Gänze klar waren über den Prozess, durch den der Alkohol ins Bier kommt. Man merkte, dass wenn man die gekochte Würze einige Zeit in offenen Bottichen stehen ließ, dass sich etwas veränderte; die Mischung fing an zu gären, weil sich Hefen aus der Umgebungsluft irgendwann in die Flüssigkeit abgesenkt hatten. Das Prinzip ist heute noch das Gleiche. In der Region um die Senne kommen in der Luft viele verschiedene Hefesorten vor, welche alle den jeweiligen Bieren ganz unterschiedliche Geschmacksnuancen geben.

Bedingt durch die Gärung im offenen Gefäß haben die belgischen Lambics einen relativ geringen Kohlensäuregehalt (im Vergleich zu anderen Biersorten). Dem wird meist dadurch ein wenig entgegengewirkt, dass die Biere nochmals in der Flasche nachgären (hier kann die Kohlensäure nicht entweichen und verbleibt somit im Bier).

Als Unterarten der Lambics gibt es mindestens zwei besonders erwähnenswerte:

  • Als Erstes wären da die Geuzes. Diese sind im wesentlichen junge Lambics die nicht unähnlich einem blended Whisky mit älteren, länger gereiften Lambics verschnitten werden. Dabei wird meist ein ca. ein Jahr altes, noch nicht komplett vergorenes Lambic mit 2-3 Jahre alten Lambics gemischt und abgefüllt. In der Flasche findet dann eine zweite Gärung statt, wodurch Geuzes ihren charakteristisch sauren Geschmack und das typische Aroma bekommen. Außergewöhnlich ist, dass ein gereiftes Geuze in der geschlossenen Flasche durchaus 10-20 Jahre haltbar ist und in dieser Zeit sogar, wie ein guter Wein, noch an Geschmack und Komplexität gewinnen kann.
  • Zweitens gibt es einige Lambic-Varianten, bei denen frische Früchte wie Sauerkirschen (Kriek), Himbeeren (Framboise), Pfirsiche (Pêche), Johannisbeeren (Cassis) oder andere Früchte während des ersten Gärprozesses hinzugefügt werden. Das Resultat ist ein äußerst fruchtintensiver Geschmack, der auch gleichzeitig die typische Säure des Lambic ein wenig abmildert und das Bier runder macht. Das berühmteste auf diese Weise hergestellte Lambic ist wohl das Kriek.

Fest steht, wer nicht weiß, was ihn erwartet, der wird vermutlich bei seinem ersten Lambic erstmal etwas die Nase rümpfen. Wer aber z.B. schon einmal eine Berliner Weiße getrunken hat, der wird mit der belgischen Spezialität schon mehr anfangen können. Und an einem heißen Sommertag erfrischt zwar jedes Bier, aber ein Lambic gilt bei Kennern spätestens dann als die beste Wahl.

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2 Gedanken zu „Was ist eigentlich ein Lambic?

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