Craft Beer – ein kleine Einführung

Vielleicht ist Euch auch außerhalb unseres Blogs schonmal der Begriff Craft Beer über den Weg gelaufen, vielleicht beschäftigt Ihr Euch selbst damit, vielleicht seid Ihr aber auch noch Neulinge auf diesem Gebiet und möchtet Euch erstmal informieren, was sich denn hinter diesem Begriff verbirgt. Genau das möchten wir mit diesem Artikel versuchen.

Deutschland, Land des Bieres – das verbindet man in vielen Ländern (und auch oft innerhalb Deutschlands) mit uns, wenn man an typisch deutsche Eigenschaften denkt. Doch kaum jemand der dieses Attribut verleiht, wird sich bewusst darüber sein, wie vielfältig denn die (deutsche) Bierlandschaft wirklich aussieht. Global agieren, wie in anderen Branchen auch, häufig Großkonzerne. Der Weltgrößte Bierkonzern InBev produzierte so zum Beispiel im Jahr 2007 über 240 Millionen Hektoliter an Bier, im Vergleich zur Bochumer Moritz Fiege Brauerei (welche auch dem Craft Beer Segment auch schon länger entwachsen ist) mit seinen 150.000 Hektoliter im Jahr eine unglaubliche Menge. Naturgemäß setzen sich Unternehmen einer Größenordnung mit mehreren Milliarden Euro oder Dollar an Umsatz andere Ziele als lokale Brauereien: Es geht hauptsächlich um Marktsättigung und Gewinnoptimierung, nicht notwendigerweise um qualitativ hochwertiges Bier. Das produzierte Getränk soll möglichst vielen Käufern schmecken um von Ihnen konsumiert zu werden und somit wiederum dem Konzern das Geld in die Kassen zu spülen.

Die Folgen davon sind so vielfältig wie gravierend:

  • die Geschmacksvielfalt der angebotenen Biere leidet. Da das Endprodukt einem Millionenpublikum schmecken muss, muss zwangsläufig ein gemeinsamer Nenner gefunden werden, d.h. das Bier schmeckt langweilig und facettenlos und ist generelle einfach wesentlich weniger komplex als Produkte kleinerer Brauereien.
  • die Produktpalette ist eingeschränkt, da man es sich nicht leisten will, Geld mit Linien zu verschwenden, die nur einen Nischenmarkt bedienen. Es gibt also wenig Neuerungen.
  • die verwendeten Rohstoffe stammen unter Umständen aus fragwürdigem Anbau, d.h. sind unter Verwendung gentechnisch veränderten Saatguts entstanden, da diese Pflanzen resistenter gegenüber Schädlingen sind und sich die Ausbeute bei der Ernte besser normieren lässt, was für die Gewinnoptimierung wichtig ist.

Das ist natürlich nur eine erste, kleine Handvoll an Folgen, wie wir jedoch meinen, mit die Gravierendsten. Um es kurz zu machen: Craft Beer bedeutet im Kern eigentlich die Umkehrung dieser Prinzipien. Die Kollegen von lieblingsbier.de bringen es auf den Punkt, wenn sie sagen:

Ein handwerklich gebautes Bier unterscheidet sich dabei vor allem in dieser Idee. Hier versucht der Braumeister nämlich etwas zu schaffen was schmeckt. Und zwar nicht jedem und überall, sondern meist vor allem ihm selbst. Kein Craft Brewer würde ein Bier in Umlauf bringen, von dem er nicht selbst absolut überzeugt ist.

Ein Craft Beer kommt definitionsgemäß (auch wenn es eigentlich nicht wirklich eine einheitliche Definition für den Begriff gibt) aus Mikrobrauereien und mittelständischen Brauereien. Es wird daher zumeist in wesentlich geringerer Menge hergestellt, wobei auch die Art und Weise der Herstellung noch wesentlich mehr mit dem Handwerk des Brauens zu tun hat, als in den Großbrauereien, in denen fast jeder Prozess des Brauvorgangs nur noch über Computerbildschirme abgewickelt wird. In einer Craft-Beer-Brauerei steht der Brauer meist noch selbst an Maischebottich und Sudpfanne, um seinem Bier mit seiner Erfahrung und Liebe den richtigen Dreh zu geben. Auch die verwendeten Zutaten sind hochwertiger, die daraus resultierenden Biere komplex im Geschmack und reich an Aromen, wie man es von Industrieprodukten nicht kennen würde. Die Brauer haben eine große Leidenschaft, aus ihren Bieren etwas besonderes zu machen, tolle Abfüllungen zu kreieren, die einem guten Wein in Sachen Geschmacksvielfalt und Komplexität in nichts nachstehen. Leider ist die Experimentierfreude der Braumeister oft wesentlich größer als die der potentiellen Kunden, denn viele Menschen, die sich einmal an ein Craft Beer wagen sind damit konfrontiert, dass es einfach meistens ganz anders schmeckt, als das, was man bisher als Bier gewohnt war. Man braucht daher zwangsläufig einen aufgeschlossen und experimentierfreudigen Entdeckergeist, um die ganze Welt der Craft Biere genießen zu können.

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